Heidelberg Cypher Sampler

hc_cover1_f1„Heidelberg: Stadt der Dichter, Denker und Philosophen/ über diese Stadt gibt es viele Strophen/ (Toni-L). Seit dem Release der Heidelberg Cypher Compilation gibt es nun einige Strophen mehr über die kleine Stadt mit der großen Bedeutung für HipHop. Den richtigen Rahmen dazu liefern die zwei Advanced Chemistry-Legenden Toni-L und Torch ab, von denen das Intro und Outro gestaltet wurde. Das Mastering der Scheibe oblag Mr. Mar im sagenumwobenen Studio The Bakery und sogar als rappendes Gastfeature ist der größere Twin Tower der Stiebers vertreten. Auch wenn mit Crews wie den Irie Révoltés und Liquid Elementz die üblichen Verdächtigen vom Neckar mit eingespannt sind, bietet der Sampler viel Platz für Newcomer. Das volle Reservoir an Freestylern, Untergrund-Rappern und Poetry Slammern, das die Stadt zu bieten hat, kommt somit optimal zum tragen.

Direkt nach dem Intro mit schön zusammengesuchten HD-Cuts, zeigt sich Heidelbergs Multilingualität: es wird auf fünf unterschiedlichen Sprachen gereimt. Das Augenmerk der CD liegt im Gesamten deutlich auf inhaltlichem Niveau, worunter die Beats hin und wieder die Leidtragenden sind. Von Censors abgedrehtem Storytelling-Beitrag Drive To Write über Face Error, der Karma wie zehn Mönche hat, bis hin zum klassischen Party-Track Ready von den Iries zusammen mit Toni-L, ist eine große Vielfalt an Styles geboten. Die Deejays Soundtrax und Step von 360° Records und auch Olb und Plasticman sorgen über den Sampler hinweg immer wieder für frischen Aufwind durch ihre Cuts und Scratches. Mit Durch Die Stadt hat sich Anael verewigt und hält dabei mit seinem Peripherique-Kollegen Cabser von den K*Rings Bros. die Fahne der Odenwälder hoch. Der Kreis ist das relaxte Stück vom Initiator des Cyphers, Lookey Strike, der mit seiner Crew Dreimaleins für eine runde Sache sorgt.

Während sich Freestylerapper Chillbert, der dank den Basement Jams im Cave54 regelmäßig Besitzer des Golden Mics ist, noch schwer tut (bei der Studioaufnahme) seine Lässigkeit zu transportieren, sticht Muso mit einem besonders locker geflowten Stil hervor. Besondere Erwähnung bedarf es auch Mr. Bayse, der trotz langjähriger Erfahrung leider noch keinen eigenen Longplayer produziert hat. Mit Funk’n’Talent zusammen mit Cheap Beatz Amazin’ und nvY steuert er einen der stärksten Rapparts der Platte bei. Der letzte Titel stammt von Son41, der seinen ganz persönlichen Werdegang im HipHop vorträgt und dabei nicht bei Wildstyle sondern ehrlicherweise bei Kris Kross und Vanilla Ice beginnt. Das melodramatische Outro spricht schließlich Frederick Hahn.

Trotz einiger Stärken und Schwächen ist insgesamt festzustellen, dass sich alle Künstler des Samplers auf die Heidelberger Schule berufen und den Anspruch hegen, jenes Erbe fortzuführen, das der Zulu-King Torch und seine Generation hinterlassen haben. Kreativität und Originalität beim Reimen steht im Vordergrund, stupide Battlephrasen und Plattitüden werden hier nicht abgefeiert.

Andreas Margara (22. November 2007)

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