Common: „Finding Forever“

findingforeverDurch einen Rechtsstreit musste Lonnie Rashid Lynn Jr. einst seinen Künstlernamen von Common Sense („gesunder Menschenverstand“) zu Common („gewöhnlich“) abändern. Ob der intelligente Mann aus Chicago seinen Verstand damit auch abgelegt hatte, musste man sich zwischenzeitlich durchaus fragen, wenn er in der Öffentlichkeit beispielsweise doppeldeutige Statements von sich gab, die man als frauenfeindlich und rassistisch verstehen konnte. Mit Finding Forever steht nun sein siebtes Studio-Album im Ladenregal und ambigue Aussagen gehören längst der Vergangenheit an. Während in Commons Anfangsjahren stets No I.D. für die Produktionen verantwortlich war, bildet er nun – wie schon auf Be – einen künstlerischen Einklang mit America’s Most Wanted Kanye West: „My daughter found Nemo / I found the new Premo“. Samples von bekannten Stars des Black Soul wie Stevie Wonder, Gil Scott-Heron und Nina Simone sind von Produzentenseite her keine Überraschung, dennoch exzellent in der Auswahl. Was das gewisse Etwas ausmacht, verdeutlicht dann allerdings doch wieder DJ Premier (Premo) auf Game, dem besten Stück des Albums, das von den extravaganten Cuts und Scratches lebt. Unbeliebt macht sich West mit der nervig eingesungenen Leier-Hookline bei Southside.

Positiv erweist sich Commons Entscheidung, Will.i.am von den Black Eyed Peas mit ins Beatbauerboot zu holen, der mit I Want You eine gute Untermalung mit passendem Chorusgesang beisteuert. Commons Lyrics sind ein einziger Genuss. Kaum ein Emcee blieb über 15 Jahre lang derart hochqualitativ im Output und versteht es Autorität, Straßenkredibilität und revolutionären Geist zu vereinen. So Far To Go, das den Soulbrother D’Angelo featuret, ist eine Produktion vom verstorbenen Mastermind J Dilla. Dilla war Commons Inspiration für den Albumtitel Finding Forever, da er auf der Suche nach dem zeitlosen Sound ist, wie ihn Jay Dee mit seinen zahlreichen Klassikern geprägt hat. Nach ‚gitarresken‘ Experimenten (Electric Circus, 2002) scheint Common nun vom Soul der späten Sechziger und frühen Siebziger beeinflusst zu sein und einen Stil gefunden zu haben, der durchaus die Züge eines zeitlosen Charakters trägt. Aufgrund der anlaufenden Schauspielkarriere in Hollywood und der Veröffentlichung von Kinderbüchern ist ihm auch verziehen, dass der Longplayer sehr kompakt geworden ist.

Andreas Margara (11. Oktober 2007)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s