Texta: „Paroli“

parolicoverWenn eine legendäre HipHop-Crew wie Texta ihr nunmehr sechstes Album veröffentlicht, dann findet das bei so manchem Liebhaber mehr Beachtung, als der aktuelle Release-Zweikampf zwischen den Rap-Superstars Kanye West und 50 Cent. Seit 1993 musizieren die vier Emcees Laima, Huckey, Flip und Skero aus der Alpenrepublik nun schon mit DJ Dan, wodurch unter anderem Hits wie Walkmania entstanden sind, das längst zur Hymne für jedes tragbares Kassetten-Abspielgerät wurde.  „Ihr meint wir haben den Zenit schon überschritten / nur weil wir keine Zeilen über Knarren, Koks und Titten spitten“ deutet schon an, gegen was hier „Paroli“ geboten werden soll und wird auf dem gleichnamigen Stück auch gleich näher erläutert. Vom politischen Thema (Weltpolizist), das der amerikanischen Entwicklung hin zur Dekadenz gewidmet ist, bis zum storytelling-Track mit deftigem Humor ist ein sehr breites Themenspektrum auf Paroli abgesteckt. Pause für Rebellen ist eine interessante Hommage an Public Enemy, denen im urtypischen Bumrush-Soundgewitter gewürdigt wird.

Auch der Reggae-Einfluss der fünf Männer aus dem direkten Umfeld von Blumentopf und Total Chaos macht sich durch Vocal-Cuts von Barrington Levy und einen eingängigen Riddim auf Überflüssig deutlich und bekommt später, bei Kein Problem, durch den gefeaturten Nikitaman aus dem Rootdown-Camp weiteren Ausdruck verliehen. Mit einer gehörigen Portion Ösi-Charme verbreiten Texta jedoch nicht nur Goodvibes, sondern üben betonte Sozial- und Gesellschaftskritik mit geistreichen Zeilen, die auch noch beim x-ten Mal anhören ihre Wirkung erzielen. Um Gottes Willen ist beispielsweise weniger ein blasphemisches Manifest als eine laute Kritik an blindem Glauben. Das Ganze geschieht wie gewohnt in oberösterreichischer Mundart und ohne den Zeigefinger zu erheben. „Knowledge war mal ein starker Teil von Rap / doch heute passt das nicht mehr ins Härtekonzept“ (Der Letzte Schrei) ist letzten Endes Paroli gegen Rap mit aufgesetzten Images. Das Album ist noch ein stückweit aussagekräftiger und emotionsgeladener als ältere Werke, eine Schwachstelle des Albums markieren allerdings die hier und da zweitklassigen Synthie-Beats von Flip.

Andreas Margara (10. Oktober 2007)

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