Archie Shepp (Königssaal im Schloss Heidelberg)

Archie Shepp

Mit einem äußerst stolzen Rückblick auf die vergangenen Festivals, die positive Entwicklung der dadurch zusammengewachsenen Metropolregion und einem besonderen Dank an die Sponsoren, läuteten die Veranstalter den Festakt ein. Lag die Betonung bei dem Eröffnungskonzert auf dem Heidelberger Schloss im letzten Jahr mit den Künstlern Skye und Lou Rhodes noch auf „Anderes“, so war der Schwerpunkt mit Archie Shepp diesmal eindeutig wieder beim Jazz auszumachen.

Im Königssaal trat der mittlerweile 70jährige Hohenpriester des Free Jazz mit seinem Quartett an und hatte zusätzlich noch die französische Sängerin Mina Agossi als Special Guest eingeladen. Archie Shepps Performance, die sich in Saxophon- und Vocal-Parts aufteilte, begleiteten Peter Giron am Kontrabass und John Betsch an den Drums, während Tom McClung das Piano bediente. Früh gab Shepp zu erkennen, dass er es mehr als nur versteht, seine langjährige Erfahrung mit neuartigen Improvisationen in frischen Einklang zu bringen. Durch die Auswahl der 35jährigen Gastchanteuse Mina Agossi, die heute für diverse Stücke als Unterstützung agierte, zeigt Shepp, dass er bis jetzt stets experimentierfreudig geblieben ist. Originell und unkonventionell interpretierte Agossi die Kompositionen der Jazz-Combo und verschmelzte dabei regelrecht mit Archie Shepps fabelhaftem Saxophonspiel.

Als einmalig erweist sich auch Shepps tief im Blues verwurzelte Membran, die der in Fort Lauderdale geborene immer wieder rauchzart erklingen ließ. Charismatisch und gleichzeitig sympathisch suchte er häufig auch den verbalen Kontakt zum Publikum. Neben McClungs virtuosen Girlanden pizzte sich Giron mit dem einen oder anderen Soli am Kontrabass in den Vordergrund. Für das Stück Revolution (Mama Rose), das Shepp seiner Großmutter widmete, beginnt Betsch sogar in traditioneller afroamerikanischer Manier durch reines Stampfen und Schenkelklopfen Klang zu erzeugen. Nach der Pause folgten weitere Titel vom aktuellen Studioalbum Gemini, unter anderen Burning Bright. Ehrwürdig ist das, wie Shepp sich im hohen Alter noch in Szene zu setzen weiß. Das Konzert vom Altmeister bildete einen sehr gelungenen Jazz-Auftakt, der Lust auf mehr machte.

Andreas Margara (4. Oktober 2007)

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