Jeru the Damaja (im Cafe Central Weinheim)

jeru the damaja

Im Jahre 1992 trumpften Guru und DJ Premier auf ihrem Album Daily Operation mit einem weiteren Ass aus ihrer Gang Starr Foundation auf. Die Rede ist von Kendrick Jeru Davis, der mit dem Stück I’m The Man sein Vinyl-Debüt feierte und sich damit einen festen Platz in der Foundation um Big Shug, Group Home, Afu-Ra und Freddie Foxxx sicherte. Sein Alias als Rapper ist Jeru the Damaja, da er in Brooklyn dafür bekannt ist, die Mics lyrisch zu zerstören. Der von Premo produzierte Underground-Hit Come Clean ist die Single, die ein Jahr darauf veröffentlicht wurde und Fake Emcees noch heute das Fürchten lehrt. Kurioserweise bildet das Cover zum zugehörigen Album The Sun Rises In The East ein in Flammen stehendes World Trade Center ab, noch lange vor den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Obwohl die Twin Towers und Bin Laden häufiger in Jeru’s Texten verarbeitet werden, scheint der Inspirationsauslöser – ohne dem Propheten dabei zu Nahe treten zu wollen – dann doch eher der Bombenanschlag von 1993 gewesen zu sein. Sei’s drum, weg von konspirativen Verschwörungstheorien, zurück zum Hardcore-Rap von der Ostküste Amerikas.

Jetzt war der Damaja auf seiner Tour mal wieder zu Gast im Weinheimer Café Central. Als Vorgruppe bemühten sich Mitchman und First Son von der Isle of Style um die Gunst des Publikums, richtig füllig wird es dann aber erst als D. Original Dirty Rotten Scoundrel aus Brooklyn, New York selbst die Bühne betrat. Um die adäquate Rotation des schwarzen Plastiks kümmerte sich DJ Susio 32. Nach einem angemessenen Intro war mit D Original als erstes Stück gleich ein Titel aus der goldenen Ära des HipHop – den frühen Neunzigern – zu hören. Von nun an lief nichts mehr ohne Beteiligung des Publikums, da es zu den Prämissen eines Emcees wie Jeru the Damaja zählt, die Leute auch ordentlich mitzureißen. Der nächste Titel Da Bichez war auch von The Sun Rises In The East und ließ ebenfalls die Köpfe der Mädels in der ersten Reihe wippen. Jeru war super aufgelegt und erzählte zwischendurch gern mal einen etwas längeren Witz im Stile Dave Chappelles. Sein neues Markenzeichen – seit er aufgehört hat zu rauchen – schien dabei das ständig nachgefüllte Glas Brown Juice (Hennessy) on the rocks in seiner Hand zu sein, womit er auch seine deutlich herangewachsene Wampe rechtfertigte.

JERU THE DAMAJA

Im Vergleich zur letzten Show bestach diesmal die vom Bass geknechtete Anlage – der Sound war gut ausbalanciert. Die Hitsingle Ya Playin’ Yaself vom zweiten Album Wrath Of The Math sorgte für den Rest. Bevor Jeru anschließend auf Mobb Deeps Instrumental aus Shook One’s Part II einen astreinen Freestyle legte, kündigte er mit einem kleinem musikalischen Auszug noch das kommende Album Still Risin‘ an. Ein Banger folgte auf den nächsten und kein Track brach die ausgelassen gute Atmosphäre. Zuerst pumpte Speak Ya Clout von der legendären Gang Starr LP Hard To Earn, danach das von DJ Honda genial produzierte El Presidente, bei dem der Fidel Castro des Rap lyrisch wieder alles abriß. Jeru zeigte sich in absoluter Hochform, Puff Daddys und Foxy Browns hatten das Nachsehen. Intelligent-gewitzte Raps trafen auf knochentrockene Produktionen und eingängige Beats. Bei diesem Gig verdeutlichte Jeru The Damaja einmal mehr, dass er im HipHop-Bereich neben KRS One noch immer einer der konsequentesten Vertreter in Sachen „Street Credibility“ und ehrlichen Statements ist. How I’m Livin‘ und My Mind Spray waren weitere Tracks im Set des sympathischen Dirty Rotten Scoundrel. Dann kam die Menge noch in den Genuss des Titels Return Of The Crooklyn Dodgers, den Jeru zusammen mit den ebenfalls aus Brooklyn stammenden Rappern O.C. und Chubb Rock 1995 in Anlehnung an die Crooklyn Dodgers Masta Ace, Special ED und Buckwild veröffentlichte.

jeru the damaja

Dann war es an der Zeit für das Meisterwerk Come Clean, das der überzeugte Vegetarier gemeinsam mit den Fans und einem breiten Grinsen performte. Nach einem weiteren Freestyle und einem kräftigen Schluck Hennessy folgten noch Me Or The Papes und Can’t Stop The Prophet. Das stark vom Reggae beeinflusste Murdera vom neuen Album war anschließend das letzte Stück der Show, mit dem einer der bisher sehenswertesten Auftritte in 2007 zu Ende ging. Dass Jeru danach, anstatt im Backstage abzuchillen, seine Flasche Brown Juice nahm und direkt mit dem Publikum weiterfeierte, darf man getrost als Demonstration von großer Persönlichkeit sehen – erst Recht in einer Zeit, in der die Distanz zwischen Rap-Star und Fan immer größer zu werden scheint.

Andreas Margara (8. Juli 2007)

DJ Honda feat. Jeru the Damaja – El Presidente

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