Delinquent Habits (im Cafe Central Weinheim)

Aus dem direkten Umfeld von Crews wie Cypress Hill und Funkdoobiest heraus, fanden sich Anfang der Neunziger die Delinquent Habits zusammen. Von damals bis heute gilt: Wenn die Latino-Rapper auf Tour sind, ist Fiesta Mexicana angesagt. Die Becher und Säle sind dann in der Regel voll und die Stimmung ist ausgelassen. Wir haben uns unter die Menge gemischt…

delinquent habits

Dass es in Los Angeles nur so von potenziellen Straftätern wimmelt, weiß man spätestens seit den Fuck The Police-Gangster-Lyrics von N.W.A. Drei Latinos genießen in der Stadt der Engel allerdings einen ganz besonderen Delinquenten-Status: DJ O.G. Style und die Rapper Ives und Kemo the Blaxican. Aus dem direkten Umfeld von Crews wie Cypress Hill und Funkdoobiest, fanden sich Anfang der Neunziger die Delinquent Habits zusammen und zogen wenig später (1996) mit dem Hit Tres Delinquentes in jedes Wohnzimmer mit MTV-Empfang ein. Sie machen partytauglichen Latino-HipHop, dem Mariachi-Trompeten und pumpende Bässe als Grundlage dienen. Wie es in L.A.  üblich ist´, werden die Texte dabei zwischen Spanisch und Englisch sprachlich zu so genanntem „Spanglish“ kombiniert.

Dieses musikalische Konzept scheint aufzugehen. Alleine vom Debütalbum Delinquent Habits, das von Sen Dog (Cypress Hill) produziert wurde, verkauften sich über eine Million Exemplare. Nachdem Here Come The Horns zwei Jahre später eher floppte, begrüßte die Latino-Connection für den Nachfolger Merry Go Round die R’n’B-Sängerin Michelle als neues Mitglied und feierte dank dieser Wahl wieder größere Erfolge. Gefeiert wird bei den beliebten Mexikanern vor allem auch bei den Liveauftritten, die meistens in wahre Saufgelage münden. 2006 veröffentlichten die Habits erstmals ein Album (New & Improved) ohne den zwischenzeitlich aus der Crew ausgestiegenen Kemo. Nun befinden sie sich auf großer Europa-Tour. Das Café Central in Weinheim ist für solch eine mexikanische Fiesta die ideale Location und so steht dem rauschenden Fest nichts mehr im Wege.

Vorgruppe Fehlanzeige. Kemos Platz übernimmt Chente, die restlichen Rollen sind wie gewohnt verteilt: O.G. an den Decks, Ives in Tattoo-Tracht am ersten Mic, den Background-Part übernimmt die eng in Ledercorsage geschnürte Michelle. Zum Einmarsch der Feierwütigen erklingt erste Mariachi-Blasmusik und auf die Frage „are you motherfuckers crazy enough to drink with us?“ ertönt einvernehmliches Jubelgeschrei von der – überraschenderweise – doch recht überschaubaren Menge. Daraufhin wird jeder der möchte kostenlos mit einem bis zum Anschlag gefüllten Becher Tequila versorgt. Das Szenario erinnert also schon vor dem ersten richtig gespielten Titel an Trinkorgien, wie man sie sonst nur aus dem „Titty Twister“ in Tijuana kennt. Inmitten des Publikums fühlt man sich durch die bei Latino üblichen Bandana-Kopfbedeckungen und durch die zahlreichen Tank-Tops schnell wie ein Komparse aus dem Film Blood In Blood Out. Die Luft reichert sich allmählich mit süßlichem Aroma von Colitas an. Mit Lower Eastside geht es anschließend auch musikalisch in die Vollen. Der mexikanische Charme ist nun definitiv in Weinheim angekommen.

delinquent habits

Während sich O.G. ordentlich die Finger wund scratcht, folgt als nächstes schon der ultimative Delinquent Habits Hit Tres Delinquentes, der die Reihen heftig zum mitwippen animiert. Neben solistischen Gesangseinlagen von Michelle bekommt das Publikum immer wieder Freestyles von einem der beiden Rapper zu hören, während der Andere sich dabei stets um das Nachfüllen jener Tequilabecher kümmert, die kurz davor sind zur Neige zu gehen. Return Of The Tres, eine Art Fortsetzung von Tres Delinquentes, ist der nächste große Track des Sets. Zur Abwechslung gibt es nun auch Champagner aus dem Backstage zu trinken und Michelle begleitet ausgewählte Personen sogar bis hin zur Bar, um mit Ives hart verdienten Pesos eine Runde zu schmeißen.

Ein wenig Reggae-Flair als Kostprobe des neuen Albums wird auch noch hinterher gelegt. Ansonsten zeigen sich die Habits – als stolze Vertreter von L.A. –  natürlich auch von ihrer lokalpatriotischen Seite. Mit den Stücken Shed A Tear und Here Come The Horns endet die Show schon relativ zeitig. Eine Zugabe ist leider nicht mehr drin. Doch als Fazit ist eine Live-Performance der Delinquent Habits jedem nur wärmstens empfehlen, da man hier partymäßig so einiges geboten bekommt.

Andreas Margara (25. Juni 2007)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s