Kid Koala (Karlstorbahnhof Heidelberg)

Eric San aka DJ Kid Koala wird 1996 als erster nordamerikanischer Künstler vom exklusiven UK-Indie-Label Ninja Tune gesignt. Kreativköpfe wie Coldcut, DJ Vadim oder Bonobo sind hier unter anderem beschäftigt. Äußerst schnell avanciert er dabei in den hiesigen Club-Communities zum Lieblings Deejay und wird schließlich sogar Support-Act für die Beastie Boys auf ihrer „Hello Nasty“ Welttour.

Unter dem Namen „Carpal Tunnel Syndrome” erscheint 2000 sein Debütalbum, das als Beilage eines der selbst illustrierten Kid Koala-Comics beinhaltet und Kultstatus hat. Das zweite Album des gebürtigen Kanadiers trägt den Titel „Some of My Best Friends are DJs”, mit dem er erneut einen kurzweiligen Klangteppich gewebt und sich damit eine sehr individuelle Fangemeinde aus den verschiedensten Genres zusammengeknüpft hat. Zurzeit befindet sich der innovative Turntable-Guru auf großer Europa Tour um sein neustes Werk „Your Mom’s Favorite DJ“ auf Ninja Tune vorzustellen. Der Name scheint passend gewählt, wenn er romantische Samples aus Mutters Plattenkiste mit einer gehörigen Portion Coolness neu arrangiert. Kid Koala ist mehr als einfach nur Scratches, Backspins und Übergänge. Er hat eine Geschichte zu erzählen und lässt dabei die Turntables sprechen.

Das bunt-alternative Patchwork-Publikum Koala’s ist heute sehr zahlreich erschienen und hat Dank zwei Leinwänden, auf denen die Plattenteller projiziert sind, die optimale Möglichkeit Kid’s Handwerk akribisch zu beäugen. Mit Rapklassikern geht es los, die Menge wird so gleich zum ausgiebigen mitnicken angeregt. Ein Mikrofon bietet dem Kanadier die Chance sein weiteres Talent, die Comedy, mit schnell aufgeschnappten Deutsch-Fetzen oder längeren Anekdoten auf Englisch zu präsentieren. Nach und nach verschmelzen die Turntables zum Instrument, auf dem er sich allmählich in einen hypnotischen Zustand spielt. So lädt er anfangs noch mit Audrey Hepburns Version von Moon River zum romantischen Frühstück bei Tiffany’s, ehe er mit freshen Backspins die Szenerie neu belebt und die Streichersamples mit stimmigen Scratches unterlegt und das Vinyl damit in HipHops treibende Sphären katapultiert.

Gut aufgelegt und sympathisch schreitet er mit übertönendem Alles klaaar?-Schrei weiter zur Tat und nimmt sich den nächsten Interpretationen an. Eklektisch vermischt er Jazz, Rock und Konsorten mit seinem im klassischen HipHop beheimateten Instrument den 1 & 2’s. Im Umgang damit ist er ein wahrer Großmeister und an Geschicklichkeit kaum zu Toppen. Dass er dabei größtenteils ohne Kopfhörer auflegt verdeutlicht seine musische Raffinesse und Feinfühligkeit. Als nächstes gibt es hartes Gitarrengewitter mit Rage Against The Machine und Killing In The Name Of. Fließende Wechsel zwischen allen Genres sind beim exzentrischen Koala Kid nichts Neues. Passend zum Albumtitel nutzt er um 0.00 Uhr die Gunst der Stunde um über den Muttertag zu plaudern. Danach sind wieder Juggles, Scratches und jeder Menge Cuts angesagt. Die extrem ausgelassene Stimmung ähnelt mehr einem Konzertauftritt als die eines DJ-Sets, was eindeutig für die Entertainment Skills des Mannes aus Montreal spricht.

Nach ausgiebigen Turntablism Demonstrationen im hochkonzentrierten Zustand legt er dann freundlich lächelnd den Gute-Laune Track 3 Is The Magic Number aus dem Hause De la Soul auf die Drehscheibe. Natürlich sind Tracks vom neusten Album zu hören und auch ältere Sachen wie Fender Bender oder Time Keeps On Slipping zusammen mit Del tha Funky Homosapien.

Als Zugabe improvisiert Kid Koala noch einmal komplett ohne Headphones den harmonischen Jazztitel Drunk Trompet. Frei nach Gefühl stellt er dabei mit einem einzigen Sample-Ton den Sound einer Trompete nach und erpitcht sich somit zum Ende den gebührenden Applaus für seine absolut sehenswerte Show. Turntable Kung-Fu vom feinsten!

Andreas Margara (13. Mai 2007)

Kid Koala an den Decks

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