A.G. & Party Arty (im Cafe Central Weinheim)

A.G.

Bei der Arbeit zu Lord Finesse’s Debütalbum „Funky Technician“ lernt A.G. (Andre the Giant) den Deejay und Producer Showbiz kennen. Sie schließen sich zusammen und veröffentlichen 1992 ihre erste EP „Soul Clap“. Wenig später erscheint mit der LP „Runaway Slave“ ein zeitloser Rapklassiker. Darüber hinaus setzt das Duo aus der Bronx auch die Kollaboration mit Finesse fort. Um diesen Künstlerkreis formiert sich mit den weiteren namhaften Mitgliedern Fat Joe, Diamond D, Big L, O.C. und Buckwild allmählich die legendäre New Yorker Diggin’ In The Crates Crew. Als erste Soloscheibe in Albumlänge erscheint von A.G. 1999 „The Dirty Version“, sieben Jahre später legt er mit Get Dirty Radio“ nach. Es ist an der Zeit, dass sich der D.I.T.C.-Giant Andre Barnes mal wieder auf einen seiner äußerst seltenen Europabesuche begibt.

Das optimal gefüllte Cafe Central erweißt sich dabei einmal mehr als perfekte Location und bietet einen ansprechenden Rahmen für HipHop abseits des Mainstream. Die Erwartungen an den Auftritt sind heute spürbar hoch, da A.G.’s Stellung im HipHop einen besonderen Status einnimmt und er inhaltlich oft gegen Rap-Ausverkauf schießt. Nicht umsonst zählt er wegen seiner realen Attitüde zu den am meist gesampleten Emcees: „Showin’ all these corny motherfuckers what hiphop supposed to sound like…”

Nach kleinem Deejay warm-up mit MoeRockZ zeigt sich relativ spät erst der Support Act 950 Plus aus Orlando. Musikalisch von Reggaton und garderobentechnisch massiv von Glitzermode beeinflusst, erweist sich die aufgedrehte Latino Connection eher als Fehlschlag für den Start. Die Crowd, die sichtlich von Kopf bis Fuß auf knochentrockenen Underground Rap eingestellt ist diskreditiert das Duo auch weitgehend und hält sich mit der Partizipation noch sehr zurück. Die nächste Enttäuschung ist DJ D-Flow, der kaum nachkommt die gebrannten CD’s im Player zu wechseln. Erster Lichtblick dann, als dessen Ghetto Dwella Partner und Powerpaket Party Arty aka P. 80 aus dem Backstage auf die Bühne stürmt und gewaltig abrockt. Die anfängliche Begeisterung über die authentisch aggressive Live-Membran reißt allerdings auch hier schnell ab, da trotz der mittlerweile vier Mann auf der kleinen Bühne alles im Voll-Playback von CD abgespielt wird. Eine fake Rapshow vom feinsten!

A.G. of DITC

Gerade in dem Augenblick, als man mit dem Gedanken spielt das Szenario schnellstmöglich zu verlassen, drückt D-Flow erneut die Playtaste und das von Jake One produzierte Instrumental von If I Wanna läuft ein. Dazu erscheint der kleinwüchsige Riese aus der Bronx. Die Rettung?

Die A.G. Tracks sind live und die Menge steigert sich um fast 100 %. Der nächste Song Frozen ist wieder vom Album „Get Dirty Radio“, den kein geringerer Produzent als Madlib verwirklicht hat. Leute mit Show & AG Shirt haben Glück und werden eingeladen die Show nun von der Bühne aus mit kühlem Bier zu verfolgen. A.G. ist derweil fleißig am D.I.T.C. repräsentieren und lässt sich alle Crew Mitglieder aufzählen. Gewidmet wird die Feier natürlich auch dem verstorbenen Big L. Trotz der hin und wieder kritischen Kontrolle auf Playback ist die Stimmung jetzt auf dem absoluten Höhepunkt. Eingeleitet mit dem Night Time Mix von Next Level folgt ein ausführliches Showbiz & A.G. Medley das es in sich hat und die Gehörgänge ordentlich durchwäscht. Textsicher kann das Publikum bei Fat Pockets mitwirken, nach einem ordentlichen Soul Clap wird der gleichnamige Track der EP gespielt.

Party Arty

Als Folge einer weiteren offensichtlichen Playback Performance von P. 80, ertönen anschließend neben vermehrten Buuh!-Rufen auch laute Fuck the Playback!-Schreie aus den letzten Reihen. Daraufhin eilt A.G. mit dem Mic bis nach hinten um im direkten Angesicht zu beweisen, dass er live performt. Eine ehrenvolle Aktion, die aber nichts daran ändert, dass das Publikum durch das komplette Playback der anderen Rapper um sein Geld gebracht wird. Das ist schon gar nicht zu akzeptieren, wenn man sich auf der Tour im Untertitel mit angeblichen Oldschool Mic Skills brüstet. Nächstes Beispiel sind die Acapella vorgetragenen Reime, die zwar als improvisierte Freestyles bezeichnet werden, seltsamerweise dann aber von einem Back-up Emcee gedoublet werden. Das unterstreicht die Arroganz, die amerikanische Acts in Europa leider zu häufig an den Tag legen. Da bei Rap-Auftritten anstrengende Tanzchoreografien wie im Pop ausbleiben, sind Voll-Playbacks auf keinen Fall zu rechtfertigen. HipHop lebt und fällt mit der Show und den Improvisationen eines Live-Emcees. A.G. hat sehr viel für HipHop getan und sollte da mit seiner Erfahrung ein Vorbild sein. Auch klar ist allerdings, dass ein Party Arty mit seiner enormen Stimmgewalt allerhöchstens einen einzigen Tourtermin durchsteht.

Als nächster Track folgt mit A Giant By Design wieder Material vom neuen Album. Die Trackauswahl ist heute ausgesprochen gut und auch die Emcees zeigen sich engagiert der Menge einzuheizen. Zum Schluss gibt’s noch einen D.I.T.C. Allstar-Track bevor alle Beteiligten wieder in der Zauberkugel verschwinden. Statt der gewohnten Abmoderation der Playback Show durch Mareike Amado erscheint dann überraschend nochmal DJ MoeRockZ, um echte Turntable Skills zu präsentieren. In einem an den Auftritt anschließenden Gespräch äußert A.G. nochmal Verständnis für die Unzufriedenheit einiger Konzertbesucher und entschuldigt das Ganze mit Stimmproblemen. Obwohl man sich sicher mehr von dem Auftritt eines A.G.’s gewünscht hätte, kann man doch nicht ganz unzufrieden den Heimweg antreten.

Nachtrag: Party Arty ist am 4. Dezember 2008 verstorben (Rest in Peace!)

Andreas Margara (6. Mai 2007)

Party Arty (R.I.P.) – Everyday

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