Pal One (im Cafe Central Weinheim)

806490059_lGibt es in Mannheim eine existente Rapszene? Eine schwierige Frage. Um das Millennium herum schien sich der Kreis um die rappenden Zugpferde der Quadratestadt gerade erst zu schließen, als das noch nicht ganz geschaffene gemeinsame Fundament für weitere Künstler auch schon wieder zu bröckeln begann.

Die beiden wohl bekanntesten Rapper aus Mannheim, Sprachtot und Pal One, gehen nach persönlichen Differenzen und einem offensichtlichem Fame-Problem getrennte Wege. Pal One wird durch seine ehrlichen Raps und zahlreiche Features im Land zum deutschlandweiten Aushängeschild Mannheims, in der Stadt selbst regiert unterdessen scheinbar schon Sprachtot. Offenbar stark variierende Auffassungen von HipHop treiben beide Parteien nur noch weiter auseinander und sorgen für eine Aufspaltung bis in die hintersten Reihen. Etwas überraschend mischt nun sogar Pal’s ehemaliger „Gesucht Gefunden“-Partner Jonesmann im Beef mit: Pünktlich zum Release vom neuen Album „Fokus: Rap“ erscheint der Diss-Track Du Bist, auf dem er zusammen mit Sprachtot sogar soweit geht, den kahlköpfigen Pal als Nazi zu bezeichnen. Solche Anschuldigungen lässt sich auch ein vom HipHop Beef genervter Pal nicht bieten und antwortet schnell mit einem sicheren Statement im Antwort-Track Kein Käse, um endgültig einen Schlussstrich zu setzen.

Genug zum Beef, schließlich ist es Pal One’s Auftritt auf der Fokus: Rap-Tour, um den es hier gehen soll. So verspricht ein Blick auf das weitere Line-Up an diesem Abend mit DJ Sol, Prinze Low, RCF (Robinson Cruise Flow), mnemonic und Evil Fritz vom 305-Team wenigstens einen Hauch von einer existierenden Mannheimer Rap Szene. Den Anfang macht mnemonic mit Fritz Evil als Back-up. Im Vordergrund stehen natürlich Tracks von seinem Solo-Album „Zeitlos“. So zum Beispiel Keine Zeit, womit er gut bei der Menge ankommt. Das zahlreich und hauptsächlich aus Mannheim angereiste Publikum setzt sich aus den unterschiedlichsten Leuten zusammen. Auch viele Waldhof-Ultras geben sich durch einheitliche Shirts zu erkennen.

mixtape1Nach ungefähr 20 Minuten wechselt das Mic und DJ Sol macht den Sound für Prinze Low klar. Wie stellenweise schon auf dem Mixtape „So Wie Ich Bin“, nutzt der Prinze Live auch ein paar Ami-Beats als Soundunterlage, wie zum Beispiel Above The Clouds von Premo. Damit heizt er die Crowd umso mehr an und unterstreicht mit ausgewählten Beats aus Frankreich auch seinen exquisiten Musikgeschmack. Der Titel Raw macht auch mächtig Druck und mit Fenster zur Straße präsentiert er gleich noch eine Hommage an die Stieber Twins aus Heidelberg.

Kurz nach einer kleinen Pause gebührt His Madnezz dann selbst die Mic-Hoheit. Ohne Back-up steht er allein mit seinem DJ auf der Bühne und gleich mit den ersten Stücken wird klar dass heute das von Monroe produzierte neue Album im Fokus stehen wird. Fokus und Regenschauer bilden den Auftakt. Das ist Auf-die-Fresse-Rap vom feinsten. Pal ist Mensch geblieben und zeigt zwischendurch mit Xavier Naidoo Feature (Euer Sohn) und nachdenklicheren Stücken, dass es auch mal sanfter geht. Danach stellt er seine Eltern vor, die stolz in der ersten Reihe stehen und mitfiebern. Nach dem Stück Ich Bin, fallen vermehrt Zwischenrufe nach dem Disstrack Kein Käse, die Pal aber abgeturnt mit der Antwort „es hat sich ausgekäst“ zurückweist.

l_0a516fc77f736529ee692c7d2616c822Großes Lob richtet Pal One anschließend nach Frankfurt an Produzent Roey-Marquis II., mit dem er zusammen die „7 Tage“ CD aufgenommen hat und spielt als Widmung Nachtgeflüster und Alles Meins. Mit Mehr Vom Rap und Wanns Kommt folgen jetzt auch Ausführungen vom Album „Pal Wolf“, die vom Publikum dankend gefeiert werden. Stellenweise scheint „Fokus: Rap“ einfach noch zu neu, als dass die Menge dazu genauso abfeiern könnte. Trotzdem werden die neuen Stücke allgemein gleich gut angenommen. Für den Posse-Track Let’s Go! Finden sich auch mnemonic, Prinze Low und erstmals auch RCF mit auf die Stage ein, um gemeinsam zu performen. Ein schönes Bild und die kleinen textlichen Abstimmungsprobleme werden eben mal durch Freestyles improvisiert.

Als krönenden Abschluss und Zugabe des kleinen Jams lässt DJ Sol mit Verstopfung die Bassmembran noch einmal ordentlich pulsieren. Eine eindrucksvolle Performance von Pal One und eine lockere Atmosphäre mit vielen weiteren bekannten Musikern aus Mannheim im Publikum, bilden den Rahmen für ein nettes Event, das man hier in dieser Art viel zu selten erlebt. Man darf gespannt sein was die Zukunft für Rap bringt, in einer Stadt, die in der Kategorie Popmusik um den Titel der Hauptstadt ringt.

Andreas Margara (10. April 2007)

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