DJ Krush (im Karlstorbahnhof Heidelberg)

18177_lgDas japanische Multitalent DJ Krush gilt als Exportschlager im meisterhaften Produzieren und als maßgeblicher Wegbereiter in Sachen Mixing. Fast immer wird der Turntable-Wizard dabei in einem Atemzug mit seinem ehemaligen Mo‘ Wax Label-Kollegen DJ Shadow genannt. Zum Ende seiner großen EU-Tour gab’s nochmal Turntablism satt.

Gewöhnlich kommen Scharen von japanischen Touristen, um Heidelbergers Schloss zu bestaunen. Diesmal waren es allerdings Heidelberger, die kamen um einen ganz besonderen Japaner zu bestaunen: Multitalent DJ Krush. „Strictly Turntablized“ gilt Krush als Exportschlager im meisterhaften Produzieren und als Wegbereiter in Sachen Mixing. Fast immer wird der Turntable-Wizard dabei in einem Atemzug mit seinem ehemaligen Mo‘ Wax Label-Kollegen DJ Shadow genannt. Ob N’Dea Davenport, Mos Def oder Roni Size, Features mit Künstlern jedweder Couleur sorgen für eine breite Fanbase. Sein erstes Solo-Album unter dem Namen Krush erschien 1994. Weltweit sind Krush’s Livesets aufgrund seiner sensationellen DJ-Fertigkeiten äußerst beliebt. Unter anderem war Krush’s Show Highlight auf dem HipHop Kemp 2006, was der komplett überfüllte DJ-Hangar belegte.

Als Vorgruppe lässt CMB an diesem Abend die Turntables rotieren, während Jazz-Bläser Thomas Siffling im Zusammenspiel die Trompete dazu Live einspielt und im gut besuchten Karlstorbahnhof begeistert.

Die brennende Frage die sich beim gespannten Warten auf Krush immer wieder stellt, ist jedoch: Was gibt es heute wohl von Japans Finest auf die Ohren? Von experimentellem HipHop, düsterem Downbeat, TripHop bis Drum’n’Bass und noch mehr ist alles zu erwarten. Klar ist aber auch, dass sich dieser Mann am wenigsten in eine Schublade stecken lässt und sich gerade durch seine außerordentliche Vielseitigkeit definiert. Pünktlich um eine Stunde nach Mitternacht übernimmt DJ Krush die Plattenteller und fährt die geremixte Version von Meiso mit den zugehörigen Vocals von The Roots ab. Die Soundanlage übermittelt den Klang in 1A Qualität. Die Zufriedenheit im Publikum äußert sich durch wohlwollendes Kopfnicken. Mit Army Cap präsentiert sich das 45-jährige Mastermind und weiß mit seinen zwei Werkzeugen einwandfrei zu hantieren. Die Snares zischen ordentlich, die Bassschläge detonieren wuchtig.

Dass Kemuri auf Deutsch soviel wie Rauch bedeuten muss, bestätigt sich durch aufsteigende Schwaden der Nebelmaschine unter der Anlage. Die ausgestrahlten grün-blauen Laser passen optimal zu den atmosphärischen Klangfarben aus Krush’s Plattenkoffer. Bunt gemischte Tracks der Alben „Ki-Oku“, „Milight“ und „Zen“ dominieren die Kulisse, ehe die BPM hochgeschraubt werden und der Tanzstil des Publikums damit auf ein höheres Level befördert wird. Jetzt wird’s manch Einem zu abstrakt. Das nicht selten auftretende Problem dabei ist allerdings, dass die Crowd oft selbst nicht vielseitig genug ist und bei den starken Unstetigkeiten im Stil eventuell zu früh resigniert und unflexibel das Weite sucht.

Die Beatkonstruktionen wirken wie in die Show eingebaute Live-Instrumente und bilden eine Mischung aus organisch-elektronischem Sound. Krush verleiht dem Auftritt mit seiner Persönlichkeit eine ganz besondere Note und weiß seine Fans in einen fernöstlichen Sphärenrausch zu schicken. DJ Krush ist ein Avantgardist, dessen Genie im Club erst richtig zur Geltung kommt. Sehenswerter Auftritt des Plattenspieler-Magiers!

Andreas Margara (12. Februar 2007)

DJ Krush – Kemuri

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