Der Lange: „You Can’t Keep It Back“

78919Als Emcee der legendärsten deutschen HipHop Kapelle Too Strong und fester, beziehungsweise aerosolförmiger Bestandteil der Montana Writer Crew, übt der Lange alias Lars Gurofski enormen Einfluss auf die Szene aus. Ettliche Atom One Whole Cars und drei Too Strong Alben später erscheint nun endlich nach 10 Jahren „You Can’t Keep It Back“, seine zweite Solo-Veröffentlichung nach „The Real Deal“ von 1997. Hart und dirty, wie man es von dem Dortmunder B-Boy aus dem Ruhrgebeat gewohnt ist, dreht sich die Scheibe um ganz persönliche Sachen, Graffiti und natürlich den Ruhrpott. Tief aus dem Untergrund der „Silo Nation“-Basis sendet er die größtenteils mit Doze zusammen geschraubten Beats raus in die Rapublik. Sogar Klark Kent, Sprühkollege von der Montana Writer Crew durfte stellenweise für die Produktionen Hand anlegen.

Das vertraute Umfeld vom Langen findet sich mit Pure Doze, Mirko Machine, Inferno79, Ercandize, Profan78, Lakman und Co. auf der Platte als Gastfeatures wieder. Allein schon an den Tracknamen wie Bomb The World oder Der Junge Vom Bolzplatz spiegelt sich die bewährte Oldschool Roughness wider. Nach atombassgewaltigem Intro gehen die Regler mit Was Was Was erneut stark nach vorne und bringen den vollgebombten Zug unaufhaltsam ins Rollen. Bei Mein Leben dann die erste kleine Überraschung, wo der Lange zu seinem ersten persönlichen Bekenntnis auf dem Album mit ungewohnt lieblichem Gesang erklingt. Was der „Silo Nation“ früher als nicht ganz ernst gemeinte Bonuseinlage serviert wurde ist auf „YCKB“ Programm und so hört man den Langen deshalb 2007 häufiger auch mal im Chorus singen.

Eine weitere Ode des Lokalpatrioten an die Heimat Ruhrpott trägt den Unterititel Uber Alles und spielt damit auf den Punk-Rock Song California Uber Alles der Dead Kennedys an und wird auch in gleicher Tongebung präsentiert. DJ Mirko darf sich auf A Little Story die Finger Wundcutten und –scratchen. Und wenn man der Lange ist, darf man sich auch Klaus Lage für Faust Auf Faust als Vocal-Sample einbauen. Ein weiteres Highlight macht der Titel The Bitch mit Optiker Ercandize aus, für den man sich absichtlich der heutigen Rapvokabularklischees bedient und somit versteckte und auch offensichtliche Kritik an Sido, Bushido und Co. äußert.

Über 70 Minuten hat der Lange auf seine überwiegend pumpenden Beats einiges zu erzählen und liefert insgesamt ein rundes Album ab. Der Long Player ist nicht ganz so pur wie sein Erster, aber zu 100 % Original der Lange.

Andreas Margara (24. Januar 2007)

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