Masta Ace präsentiert eMC (im Cafe Central Weinheim)

sto-emc_headerOb als fester Bestandteil von Marley Marl’s undenkbar wichtigem Cold Chillin’ Oldschool Rap-Label oder als Gründungsmitglied der sagenumwobenen Juice Crew, zusammen mit den Reimgrößen Biz Markie, Roxanne Shanté, Craig G, MC Shan, Kool G Rap und Big Daddy Kane. Masta Ace ist das Empire State Building an der New Yorker Rap-Skyline. Seine Tracks Born To Roll oder Sittin’ On Chrome gehören zum guten Ton jeder ernstzunehmenden Rapparty und mit den beiden letzten Konzeptalben „Disposable Arts“ (2001) und „A Long Hot Summer“ (2004) hat er unter Beweis gestellt, dass er einer der wenigen guten Emcees aus den Achtzigern ist, der es geschafft hat sich bis heute qualitativ stetig im Output zu steigern. Auf dem HipHop Kemp 2005 gab es dann die Schockmitteilung zu vernehmen, dass es Aces vorerst letzte Show und damit sein Rücktritt von der Live-Bühne sein wird. Doch pünktlich zur Weihnachtszeit meldet sich das Meister Ass 2006 mit seiner neuen ultimativen Crew namens eMC zurück, um die kommende LP Live vorzustellen.

Nach der Wiener Vorgruppe, von denen mir neben ein Paar Freestyles noch relativ klar der Name des Deejays: Richard Mixen hängen geblieben ist, ging’s dann in der für hochkarätigen Underground Rap bekannten Anlaufstelle Cafe Central richtig los. Punchline, der sich vor der für einen Mittwochabend extrem dicht gedrängten Menge als erster Emcee auf die Bühne begab, stellte sich zunächst zum Beat von DJ Flo-Fader vor und überließ anschließend Stricklin das Feld. Dieser zeigte sich mit gewohntem Schweißband – und wie die anderen mit der eMC-Teamjacke im College Style – introducte sich ebenfalls kurz und reichte dem zurzeit wohl begabtesten Freestyler aus den Staaten, Wordsworth, das Mic. Als letzter des Rapper Quartetts erschien schließlich Masta Ace mit Bandana und reichlich Energie, ehe alle zusammen die Stage erneut enterten und loslegten. Wie eine imposante Wand standen die vier kräftigen New Yorker auf der Bühne, um realen HipHop zu verteidigen und erklärten zunächst, für was das Akronym „eMC“ alles stehen könnte. Four Brothers war dann auch gleich der erste gemeinsame neue Track, bevor es mit den Masta Ace-Stücken Beautiful und Da Grind weiterging. Für F.A.Y. teilten sich der Masta und Strick anschließend die Mic-Hoheit, während die anderen beiden pausierten. Die Soundqualität war diesmal exzellent und die Performances wirkten sehr ausgereift. So wurde Wordsworth bei Block Episode beispielsweise von Punch erschossen und rappte dann im Liegen weiter.

Das Abwechslungsverhältnis zwischen Masta Ace Solos und eMC-Parts war optimal und so stimmte einfach das Zusammenspiel. Nach Take A Walk folgte demnach wieder ein gemeinsames Stück von eMC. Die Crew wirkt unverbraucht und frisch, die Beats wissen zu überzeugen und natürlich liegt der Schwerpunkt auf den Lyrics. Nachdem Flo-Fader ausgiebig seine Turntable Skills veranschaulicht hatte, ließ er den Soulhit Make It Easy On Yourself von Dionne Warwick einlaufen, das als Sample für Hold Ya dient und schließlich darin überging. Die schwer begeisterte Crowd flippte nach dem wieder sehr spielerisch vorgetragenen Travelocity völlig aus, als es Zeit für die Oldschool Banger Born To Roll und I.N.C.-Ride war.

Höhepunkt war dann jedoch als Flo-Fader als Zugabe den absoluten Juice Crew Klassiker The Symphony einspielte, bei dem sich auch Stricklin, Punchline und Wordsworth einreihten, um neue Parts zu kicken. Nach dieser beeindruckenden Oldschool Session, des trotz seines respektablen Alters kaum zu stoppenden Masta Ace, folgte gleich der „Disposable Arts“ Smasher Don’t Understand mit dem Statement „I don’t do White music, I don’t do Black music – I make rap music!“. Wordsworth nutzte unterdessen jede sich bietende Gelegenheit um zu Freestylen. Brooklyn Masala und Acknowledge waren dann zwei weitere Hits in der Zugabe, bevor mit Good Ol’ Love tatsächlich das Ende eingeläutet wurde.

Alles in allem ein durchweg perfekter Auftritt, der von Oldschool Rap über Battle bis hin zu Storytellin‘ alles zu bieten hatte. EMC aus Brownsville, Brooklyn, sind die zurzeit vielversprechendste Crew in Sachen Rap und Lyrics, von der noch so einiges zu erwarten ist.

Andreas Margara (19. Dezember 2006)

eMC – What it stand for

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