Donato & Inferno79: „Mond-Licht-Schatten“

donatoinferno_mondlichtschattenDurch das nächtliche Geäst dringt sich erhellend das Licht des Mondes und wirft rätselhaft-geheimnisvolle Schatten auf die Erdoberfläche. So in etwa der erste Eindruck, der beim Betrachten des Covers der Donato & Inferno79 „Mond-Licht-Schatten“ CD entsteht. Ähnlich bahnen sich die beiden Rapper aus dirty Dortmund ihren Weg durch den Untergrund der deutschen Raplandschaft. Mit bodenständigem reality-Rap aus dem Pott, der Balsam für die Seele ist, in einer Zeit, in der charttrendige Veröffentlichungen ohne Inhalt die Szene dominieren. Zwei Emcees haben sich hier gefunden, die zusammen auf Beats harmonieren, um Gefühle wie Schmerz und Hass als depressive Außenseiter zu thematisieren. Rap als Ventilfunktion in einer schnelllebigen Welt. Mit Donato’s Solo-Album „Damals wie heute“, Inferno’s EP „Stimme der Stadt“ und zahlreichen Features, unter anderem zusammen mit Spax, Roey Marquis II. oder den Oldschool Helden von Too Strong haben sich die Beiden schon unlängst zu gefeierten Hoffnungsträgern etabliert und brillieren nun gemeinsam auf Platte.

Ersguterjunge Screwaholic hat gleich beim Intro Hand angelegt und ein donnerndes Beatgewitter arrangiert. Extrem frisch geht’s dann mit Heimspiel weiter, auf dem die beiden Rapper klarstellen wo sie herkommen und hinwollen. Besonders der junge Donato zeigt hier reimtechnisch schon deutlich, welche Entwicklung er vom einstigen Lamythz Emcee bis heute durchgemacht hat und besticht mit ausgefeiltem Style. Für Wahrscheinlich Nein haben sich die Dortmunder mit mnemonic Reimverstärkung aus Mannheim geholt. Blazin’ Hand zeigt sich verantwortlich für die nächste Produktion Glockenspiel, der den Sound bestens beschreibt. Donato und Inferno haben auf „Mond-Licht-Schatten“ einiges loszuwerden und überzeugen vor allem durch Authentizität und ihre durchwegs ehrlichen Texte. Einlegen, durchlaufen lassen und sich sowohl von der musikalischen als auch inhaltlichen Seite inspirieren lassen. Neben dem schon aus dem Internet bekannten I Won´t Die folgt mit Die Welt Steht Still ein ruhiges, von Piano-Loop begleitetes Stück über die Liebe, das mit melodiös eingesungenem Chorus sehr wohl erklingt. Zweites Gastfeature am Mic ist Abstrakkt, der genau wie schon mnemonic perfekt zum betrübten Klima der Scheibe passt und sich auf Gegensatz nahtlos ins Geschehen einfügt.

Eine schöne Melange aus satten und ausgereiften Beats, die rough sind wie die Kohleschächte der Stadt Dortmund und instrumentalen Loops, die nachdenklich stimmen. Alle Tracks sind deep und kommen tief aus der Seele.  Mondlicht Atmosphäre, die so manches Album in den Schatten stellt.

Andreas Margara (10. Dezember 2006)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s