Fiva & Radrum: „Kopfhörer“

khr_003_cover_webAuch am Ende des Jahres 2006 erscheint die Anzahl der etablierten female Emcees weltweit leider immer noch als recht überschaubar. Während Erfolgsstories von weiblichen Rappern in den USA zwar fast noch an einer Hand abzählbar sind, vermisst man in Deutschland vergleichsweise weiterhin auch nur eine einzige Frau, die wenigstens mal annähernd mit ähnlichen Reimskills gesegnet ist wie Cora E aus Heidelberg. Doch egal ob nun Frauen- oder Männer-Rap, am Ende ist es doch einzig die Qualität, die einen Emcee ausmacht. Und mit Fiva MC aus München gibt es derzeit kaum jemand im deutschen HipHop, der mehr Potenzial zu bieten hat und mit seinen sinnvollen Silben sorgsamer umzugehen weiß als sie.

Nach lehrreichem Tour-Support für MC Rene, oder RAG erscheint 2002 ihr erstes Album „Spiegelschrift“, mit dem sie neben ihren eindrucksvollen Auftritten als Slammerin auf nationalen Poetry Jams auf sich aufmerksam macht. 2005 folgt eine Tour mit Fettes Brot, bei dem sie die Brote mit ihrer mitreißenden Live-Show und innovativen Freestyle Einlagen nicht selten in den Schatten stellt. Die Gründung von Kopfhörer Recordings Ende 2005 ist die notwendige Konesequenz. Erste Releases sind die „Rücken an Rücken“ EP zusammen mit DJ Radrum und dem Mannheimer Rapper mnemonic, sowie dessen Solo-Album „Zeitlos“. Am 24.11.2006 ist jetzt endlich auch Fivas zweiter Longplayer mit dem Titel „Kopfhörer“ im Laden erhältlich. Gemixt und produziert hat wieder Radrum.

Über 16 Tracks gewährt Fiva einen tiefen Einblick in ihr Leben und die heutige Rapwelt. Kein gepose sondern Poesie. Zurück (In Die Zukunft) erinnert im klassischen One-MC-and-One-DJ Stil an die guten alten Tage. Ob Schalldicht oder Klarsicht, Fivas Texte sind selbstreferenziell oder hinterfragen nachdenklich die Verhältnisse in der heutigen Gesellschaft. Authentisch und erfrischend intelligent verpackt sie das Ganze in Reimform und lässt es einfühlsam über die warmsanfte Klangkulisse Radrums fließen. Man spürt ihren unbändigen Erzähldrang, der an keiner Stelle inhaltslos wirkt, wobei die dazugehörige Beatproduktion auf Albumlänge mit den reichlich hochgepitchten Versatzstücken phasenweise zwischen Monotonie und Langeweile untergeht.

Freshe Cuts und auch die vielfältigen Themen auf dem Album sorgen dagegen für Abwechslung. So hört man im deutschen Rap sonst kaum Tracks wie Ich Glaub An Dich, die sich direkt mit Gott auseinandersetzen. Das Album erscheint allgemein sehr persönlich und man erfährt deshalb so einiges über die Person hinterm Mic. Anspieltipp ist das schon als Maxi veröffentlichte Stück Frühling, das sehr atmosphärisch produziert und gerappt ist, und mit eingängigem Chorus starken Ohrwurmcharakter besitzt. Auch wenn die Raps direkt aus der Uni kommen, sind die Stücke gerade aufgrund ihres gehaltvollen Inhalts straßenkredibel und absolut empfehlenswert.

Andreas Margara (17. November 2006)

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