Interview mit Sprachtot

sprachtot1Der 23-jährige Rapper Sprachtot aus Mannheim steht gehörig Unterdrukk. Gerade hat er sein Mixtape gedropt und die Aufnahmen zu seinem ersten offiziellen Video „Glaub Mir S“ abgeschlossen. Zeit ihm ein paar Fragen zu stellen:

Stell dich zunächst mal vor und sag kurz was zu deinem Namen „Sprachtot“, der ja offensichtlich einen Gegensatz beschreibt und inwiefern Gegensätze dich oder deine Musik persönlich charakterisieren!


Hallo Ihr, mein Name ist Sprachtot und ich komm aus Mannheim. Meine Musik beschreibt mich eins zu eins. Gegensätze ziehen sich magisch an…. und Neckarstadt bringt dir den Zauber!

Dein neues Mixtape erscheint auf dem neuen Mannheimer Label „Unterdrukk“ (früher bekannt unter dem Namen „roh-lexx“). Welche Acts habt ihr gesignt und wie sieht die Zusammenarbeit dort aus?

Aktuell sind wir fünf Rapper und zwei engere Produzenten. Wir sind wie eine kleine Familie und probieren die Stärken von jedem Einzelnen in ein Produkt umzusetzen. Wir haben ein kleines aber effektives Management, das durch „Kehlkopf-Aufnahmen“ noch aufgestockt wurde. Die Namen wären Toni der Assi, Mr.Dean, Mino, Butch Spencer, Sprachtot, Rocko und Lena, was den kreativen Bereich betrifft …jeder kennt seine Rolle, die Kugel rollt ….!!

Der Arbeitstitel des Albums war zunächst „Schwarzer Engel“, wie schon bei regioactive.de angekündigt. Was hat dich letztendlich dazu veranlasst dann doch die „Warum nur“-Serie zu beenden? Vor kurzem erschien gerade Deso Doggs Album unter dem Namen „Schwarzer Engel“, steht das damit in Zusammenhang?

Also das letzte Mixtape „Warum noch ein Mixtape – Aus Freunden werden Feinde“ war so oder so geplant. Das hat also nix mit meinem Album zu tun. Und ja, ich wollte mein Album „Schwarzer Engel“ nennen. Aber wer zu erst kommt, malt zuerst. Somit ist das für mich Geschichte, und ich werde mir ein komplett anderes Konzept überlegen, mit dem ich dann mein Album aufzieh.

Als Produzent für dein Album war auch Plattenpapzt an den Reglern aktiv, der sich gerade am Crunk-Style versucht. Allgemein fand ich die Beats durch die unterschiedlichen Produzenten sehr verschieden im Style. Wie kam es zur Zusammenarbeit und ist Crunk auch für dich ein Thema?

Also mein Manager ist mit Papzt seinem Management connected. Dann hab ich Papzt besucht, und wir haben gleich zusammengearbeitet. Schnell und sauber. Crunk ist im Allgemeinen kein Thema für mich. Wenn ich einen Beat gut finde, rapp ich drauf, mir egal ob Crunk oder Oldschool.

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Der Untertitel des Albums „Aus Freunden werden Feinde“ verrät schon, dass es auch um Abrechnung mit alten Bekannten geht. Wie wichtig ist dir die Musik, um solche Geschichten zu verarbeiten, siehst du das ähnlich wie Tone in seinem Track „Würd ich nicht rappen“?

Im Gegensatz zu diesen Clownrappern, hab ich echte Geschichten zu erzählen, und im echten Leben fucken dich Leute ab, man hat keine Kohle, man muss Gras ticken, und fährt kein dickes Auto. Meine Texte schreibt das Leben, und nicht meine Fantasie. Und man kann schon sagen, würd ich nicht rappen, wär ich wohl anders drauf. Irgendwas Dummes würd mir einfallen. Gut, dass ich Rap hab.

Du drückst offen deine Abneigung gegen das Music-Biz aus und grenzt dich auch selbst von Artists wie zum Beispiel Tatwaffe ab (Interview rap.de). Wo siehst du den Unterschied zwischen deinem Track „And She Is Luv“ und Tatwaffes „Die Eine 2005″, was dasselbe Thema behandelt, aber dazu ständig im TV rotierte?

Tatwaffe hat etwas Großartiges wie „LIEBE“ schwul rübergebracht. Manche suchen ein Leben lang nach jemand dem man vertrauen kann. Er muss sich meiner Meinung nach dafür schämen. Meinst du, es sagt was aus, dass sein Song im Fernsehen gelaufen ist? Kübelböck läuft auch im Fernsehen. Der Unterschied ist, ich hab meine Frau und mich nicht lächerlich gemacht. Hier in Deutschland gehen immer gleich die Alarmglocken an, wenn man andere Namen nennt. Alter ich sag meine Meinung, das nimmt mir keiner, solang ich nicht sinnlos beleidige, ist alles okay!

Mein persönlicher Lieblingstrack auf dem Album ist „Kannst Du Dich Erinnern“, eine Hommage an die Rapcrew Konkret Finn. Wie war es für dich im Musikpark als Support vor deinem persönlichen Einfluss Tone zu performen? Bei der Rhein-HipHop-Session hattest du ja auch schon die Ehre vor Raekwon vom Wu-Tang Clan aufzutreten.

Raekwon war für mich keine Ehre, ich kenn den Typen nicht. Und Tone hab ich schon 2004 getroffen, und mich mit ihm unterhalten. Ich hab mich einfach gefreut ihm nun als richtiger Künstler gegenüber treten zu können und nicht mehr nur als ein Fan. Ich denk, das hat er auch gemerkt, ich bin älter geworden.

Früher trafen sich die Mannheimer Rapper zum freestylen im Soho. Du warst Pal One’s Backup Emcee. Auch auf der rohlexx-Releaseparty 2003 schienen noch alle Mannheimer am selben Strang zu ziehen. Mittlerweile geht fast jeder seinen eigenen Weg und es gibt verschiedene Lager in Mannheim. Wie beurteilst du die Szene hier? Stellt Unterdrukk eventuell eine neue Basis dar, für mehr Zusammenhalt der Mannheimer Emcees?

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Mannheim ist Unterdrukk. Ich hätte gern mit jedem an einem Strang gezogen, aber damals vor drei Jahren, als ich noch nix war, dachten alle sie könnten mich ignorieren. Das können sie heute nicht mehr, die probieren mir jetzt schleimermässig zu kommen. Die merken, dass hier was geht und wollen sich mit einzecken. Ich bin so froh, dass ich jemanden wie Toni kennengerlernt hab, der sich selbst ein Bild von mir gemacht hat. Ich hab den Respekt von den Leuten in Mannheim von denen ich selbst was halte! Auch Mr.Dean, der anfangs skeptisch war, weiß nun um was es mir/uns geht. Jeder weiß hier, wer wirklich was für Mannheim macht. Und das sind nicht mnemonic, Prinze oder Pal. Die müssen eher auf sich selbst achten, die haben nicht die Kraft was Echtes aufzubauen. Aber Unterdrukk hat sie.

Wie wichtig ist dir das Hiphop Ding an sich, mit Graffit, breaken und all seinen Elementen? In der Königsdisziplin Freestyle hast du dich ja schon mehrfach ausgezeichnet!

Ich weiß nicht Recht, ich hab meine eigene Vorstellung von Rap. Ich hab Respekt vor allen Künstlern die einfach machen, was sie für richtig halten. Ich kann mich auch fünf Stunden zu nem Sprüher hocken und zuschauen wie er ein Bild macht. Auch B-Boys bringen mich immer wieder zum Staunen. Aber ich bin halt ein Rapper, das ist meine Sprache!

In deinen Texten und an deiner besonderen Herangehensweise ist zu spüren, dass du hart kämpfst und an einem Ziel arbeitest. Was ist für Sprachtots Zukunft geplant, was ist dein konkretes Ziel?

Dass Mama lachen kann, Alter. Sich keine Sorgen machen muss, und dass alle meine Jungs versorgt sind. Ich mach das nicht nur für mich, ich kann mit wenig leben. Aber da einige Menschen in meinem Herzen sind … muss ich hart arbeiten, und dem ein oder anderen in den Arsch treten, damit er sein Ding weitermacht. Wir werden das schaffen, ich schwör’s dir, Alter, ich räum alle Zweifel aus dem Weg.

Gerade ist dein neues Video zu „Glaub Mir S“ fertig geworden. Ein paar Worte dazu?

Macht euch einfach selbst ein Bild. Das ist der Anfang.

Obligatorisch zum Schluss: Bist du Fußballfan, wenn ja, wie ist dein Tipp für die Weltmeisterschaft, wer macht’s?

Ich bin nicht unbedingt ein Fan. Brasilien soll gewinnen … und alle Hooligans sich gegenseitig kaputtmachen. Danke fürs Interview. Mein Mixtape gibt’s überall zu kaufen, macht euch ein Bild von mir, durch meine Musik, nicht durch Meinung Dritter… alla mooo!!

Andreas Margara (13. Juni 2006)

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