KRS-One & Busy Bee (im Substage Karlsruhe)

Schon früh in den 1980er Jahren festigt sich in der South Bronx die HipHop Crew Boogie Down Productions aus Deejay Scott La Rock und dem Zeremonienmeister KRS-One. Sie beginnen als eine der ersten Crews James Brown und Konsorten für ihre Beats zu samplen, über die Blastmaster KRS wie kein Anderer seine inhaltlich sinnvollen Texte reimt und sich so den Beinamen „The Teacher“ erwirbt. Nach dem tragischen Mord an Scott La Rock 1987, arbeitet KRS-One vorerst alleine weiter und engagiert sich mit dem Stop the Violence-Movement gegen Gewalt in den Ghettos. Musikalische HipHop Meilensteine aus dieser Zeit, wie My Philosophy oder You Must Learn, stehen für sich. Mit seiner ungemeinen Einsatzbereitschaft in den verschiedensten Bereichen und seinem enorm großen Einfluss gilt er bereits als lebende Legende.

krs-one

An diesem Abend war er zu Gast in der „90’s HipHop Lounge“  im Karlsruher Substage. Neben Emcee S Five und Deejay Cocheze wurde KRS auf seiner Tour vom Oldschool Chief Rocker Busy Bee begleitet, der seine Entertaining-Skills schon im Film Wildstyle zur Schau gestellt hat und die Erfahrung von zahlreichen block parties mitbringt.

Bevor KRS-One gegen halb Elf selbst „attacken“ durfte, wechselte das Mic noch zwischen verschiedenen Rappern aus der Fächerstadt hin und her, bis Geronimo MC die Bühne vor einem, naja, halbwegs angeheizten Publikum, freigab. Passend zum Wu-Tang Instrumental Triumph begann dann allerdings der Triumphzug des Boom Bap Emcee’s. Seine Freude beim emceen war sofort zu spüren, die Crowd dankte ihm die ersten beiden Hits MC’s Act Like They Don’t Know und Black Cop und war restlos begeistert. Einzig das auf Jams so häufig zu niedrige Miclevel und die etwas schlecht ausbalancierte Soundanlage ließen zu wünschen übrig. Die Abstimmung mit Busy Bee und S Five klappte perfekt auf der Stage. “ Peace, Love, Unity and havin’ fun“ wurde immer wieder mit „the real hiphop is over here” Rufen zelebriert.

Eine Widmung an verstorbene Produzenten und Rapper, auch Big L, der an diesem 30. Mai seinen 32. Geburtstag gefeiert hätte, waren Teil der Show. Edutainment ist die Stärke des Teachers und so fügte KRS-One permanent Aussagen in seine Freestyles und Ansagen ein, ohne dabei jedoch belehrend zu wirken. Love’s Gonne Getcha, 9mm Goes Bang und natürlich der BDP Klassiker South Bronx trieben die Menge fast bis zum erschöpfenden Abgehen. Da wirkten auch die „I AM HIP HOP“-Shirts der Artists keinesfalls fehl am Platz.

busy-bee-portraitKRS’ Zögling S Five bekam dann schließlich Zeit für seinen Dear HipHop Brief, den er Acapella vortrug. Kein Track von KRS-One, den man heute nicht kannte: Sound Of Da Police, das Überbrett Outta Here und die B-Boy Hymne Step Into A World folgten direkt aufeinander. Natürlich wurde dazu auch gebreakt. Busy Bee verkörperte dabei die Urfunktion des Emcees, wie schon im Film Wildstyle. Kristyle war eins mit dem Publikum und deshalb ließ er es sich auch nicht nehmen in die Menge einzutauchen, um dort spontan sein Programm weiterzuführen. Außer verbalen Attacken gegen sein Ex-Label Jive wurde auf unnötige Disses verzichtet. Der Disstrack The Bridge Is Over, einst entstanden um Marley Marl und MC Shan zu verdeutlichen, dass Rap seinen Ursprung nicht wie von ihnen behauptet in Queensbridge, sondern in South Bronx findet, wurde so gesehen nur in Anlehnung an alte Zeiten performt.

Damit war der Auftritt aber noch nicht gelaufen. Mit Criminal Minded und I Can’t Wake Up erschien KRS-One noch einmal im Szenario. Die B-Boys durften noch einmal ran und damit die Fünf Elemente des HipHop auch komplett waren, gab es Freestyle satt zur Beatbox, in Kooperation mit den ansässigen Reimtalenten aus Karlsruhe. Eine extrem beeindruckende Performance, wie sie wohl nur noch wenige wahre Masters of Ceremony auf dem Kasten haben.

Andreas Margara (31. Mai 2006)

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