Slum Village: „Fantastic Vol. 1“

r-150-555059-1148837250Zirka um das Jahr 1988 formiert sich in Motown Detroit aus den drei Highschool Rappern Baatin, T3 und Jay Dee die Crew Slum Village. In afrozentrischer Manier setzen sie innovativ die Native Tongue Tradition im Stil von Crews wie De la Soul, A Tribe Called Quest, Brand Nubian oder den Jungle Brothers fort. Oft werden sie deshalb mit ähnlichen Vertretern wie Common, Mos Def und Talib Kweli als zweite Native Tongue Generation bezeichnet. Nachdem sich der Rapper Jay Dee mehr und mehr auf das Produzieren fokussiert, kommt es 2000 zur ersten erfolgreichen Veröffentlichung eines Slum Village Long Players mit dem Titel „Fantastic Vol. 2“. Leider verlässt er 2001 die Crew und damit geht auch der im Untergrund so hoch gefeierte und spezifische Sound von Slum Village größtenteils verloren. Es folgen eher enttäuschende Releases in neuer Besetzung und Jay Dee widmet sich als J Dilla fortan fast ausschließlich dem Beatbasteln. 2006 dann der Schock: mit seinem frühen Tod verliert die Musikwelt einen der genialsten Produzenten seiner Zeit. Grund genug endlich das wegen Schwierigkeiten mit der Musikindustrie nie veröffentlichte Slum Village Demo Album „Fantastic Vol. 1“ von 1996 als offizielle Version digital zu remasteren und herauszubringen.

Angefangen bei Fantastic ist gleich zu spüren, dass der Vibe noch stimmt und die Harmonien zwischen Rap und Beat in wohlklingenden Einklang verschmelzen. Die Jay Dee Sounds wirken so organisch wie Live eingespielte Instrumente von The Roots und kommen gewohnt jazzig bis funky. Durch die stimmigen Soul Keys und die sehr runden Drums ist das Klima stets beruhigend und wirkt an keiner Stelle aufdringlich. Je öfter man den Jay Dee Beats lauscht desto interessanter und intensiver erstrahlen sie. Einige Stücke wie zum Beispiel I Don’t Know sind schon von „Fantastic Vol. 2“ bekannt und knüpfen sonst auch an dieselbe hohe Niveaustufe an. Anspruchsvoll sind auch hier wieder die geschickt verwendeten Soul-Cuts. Cool-relaxte Rhymes aller drei Rapper, unterstrichen mit mellow-atmosphärischen Instrumentals von Jay Dee formen den unikaten Slum Village Style.

Getreu dem Motto weniger ist mehr hat das Album inklusive drei Remix Versionen eine Länge von knapp unter 50 Minuten. Echte J Dilla und Slum Village Fans kommen dabei jedoch voll und ganz auf ihre Kosten!

Andreas Margara (12. Mai 2006)

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