C-Rayz Walz, RA the Rugged Man & Reef the lost Cauze (Radio Oriente in Karlsruhe)

reeefZum fünften Part der „90’s HipHop Lounge“ konnte Fächerstadtbeats einmal mehr an ihre bisher hochkarätig besetzten Gigs anknüpfen: Diesmal standen mit den US-Rappern Reef The Lost Cauze, C-Rayz Walz und R.A. The Rugged Man gleich drei hochinteressante Charaktere auf dem Line-up. Location hierfür war das im Herzen der Fächerstadt gelegene Radio Oriente – benannt nach dem lateinamerikanischem Sender, der Che Guevara einst zur Legende machte. Getreu dessen Motto: revolutionär und leidenschaftlich, sollte sich auch dieser Abend noch ereignisreich gestalten.

Den undankbaren Anfang machte das Reimtalent Reef the Lost Cauze vom JuJu Mob aus Philly. Raus aus den schlacksigen Timbs und rein in die volle Bühnenshow Freiheit in Socken hieß es dann für ihn, um Tracks wie Sound Of Philadelphia vom aktuellen Longplayer Feast Or Famine zu performen. Neben der bisher solide bis bewegungsfreudig gestalteten Show mischte sich an dieser Stelle auch zum ersten Mal Rugged Man ins Geschehen ein, indem er lauthals über das niedere Miclevel maulte.

Durchs Publikum schlich unterdessen schon C-Rayz Walz und setzte mit einem beachtlichen Satz auf die Bühne zu seinem Part des Programms an. Damit löste er den in Sachen Rap alles andere als „hoffnungslosen Fall“ erscheinenden Reef ab. C-Rayz Walz ist dank MTV mittlerweile nicht mehr nur Underground Heads als New Yorker Freesytle-Veteran ein Begriff, sondern auch allen TV-Kids als MTV- Made-Coach, wo er versucht hat dem kleinen „Blizzard“ das Rappen nahe zu bringen. Imposant stellte er sich dann der Audience mit seinem Stück „I’m C-Rayz Walz,  Whodafukareyou“ vor, was sich allerdings bei dem von Allen mitgesungenen Chorus als gar nicht mehr notwendig erwies. R’Thentic hieß der nächste Track und das ist auch Programm bei ihm. Bemerkenswert war, dass C-Rayz auf ALLE Zwischenrufe aus dem Publikum einging, sich in ständiger Diskussion mit den Leuten befand und sich auch mit Zigaretten beschenken ließ, obwohl er eigentlich Nichtraucher ist! Weiter ging’s indessen oberkörperfrei mit dem Titel Battle Me und einer Performance, die nicht ganz ohne Playback auskam. Dennoch bewies der Mann von El-P’s Definitve Jux Labelwieder nach einem Zuruf – dass er auf Playback keinesfalls angewiesen ist und improvisierte spontan einen meisterlichen Freestyle. CRayz+Walz+C_RAYZ_WALZ_FOTO2

Letzter Act am Abend war RA The Rugged Man, der auch mitten durch das Publikum seinen Weg auf die Stage suchte. Mit Jacke und Cap eingepackt, schleppte er merkwürdigerweise leere Pizzakartons mit auf die Bühne, um sie kurz darauf wild in Richtung Tontechniker zu schmeißen und sich jähzornig über den „fuckin’ Soundman“ aufzuregen. Zu R.A. ist zu sagen, dass er aufgrund seiner äußerst bewegten Vergangenheit und seines gewollt abgefuckten Äußeren, das an einen verwahrlosten Penner erinnert, als die wohl aktuell exzentrischste Persönlichkeit des Rap gilt. Da er schon ewig im Geschäft ist, es aber wohl aufgrund seines außergewöhnlichen Lebensstils erst auf eine einzige Album Veröffentlichung (Die, Rugged Man, Die/2004) geschafft hat, erzählte er heute viel über die glorreiche Vergangenheit von Rap. Vor allem schwärmte er dabei von Public Enemy und bezeichnete Kool G Rap als „the greatest emcee that ever stepped on earth“.

a9eb17d6cfNeben seinen Hits, die bis ins Jahr 1992 reichen (Rubber Room), spielte er alles Kreuz und Quer aus seinen bei den verschiedensten Labels releasten 12inches. Auch der New Yorker Street Rapper kleidete sich nach und nach aus und nahm mit seiner sehenswert-kranken Performance die komplette Location ein. Nicht ganz ernst gemeinte „You stink“-Rufe aus der ersten Reihe beantwortete er unkonventionell mit einem satten Kick ins Gesicht. Immer wieder stellte er Fragen an das Publikum, wie z.B. wer das Scratchen erfunden habe, (Grand Wizzard Theodore) oder von wem genau seine Stücke denn so produziert wurden. Mit den Trackmasters, Erick Sermon oder DJ Quick befinden sich auch zahlreiche begehrte Produzenten unter ihnen. Dann folgte der Abreißer-Track Break The Walls Down, in den er sich enorm reinsteigerte, schließlich in die Menge sprang und danach wieder wild zurückkletterte, um trotz seines Übergewichtes euphorisch die legendäre Breakdance-Welle auf der Bühne zu präsentieren. Absolut sehenswert, was dieser Mann noch alles darbot. Für reichlich Unterhaltung war also gesorgt und auch die ausgelassen vorgetragenen Raps griffen bei den nicht zu knapp involvierten Zuschauern.

Reef, Rayz und Rugged wußten an diesem Abend jeder auf seine eigene Weise zu überzeugen und boten jeweils eine unvergleichliche Inszenierung in der ungewöhnlichen Karlsruher Location. Dummerweise kehrte am Ende der von Rugged Man verletzte Fan aus der ersten Reihe wieder von einem kleinen Ausflug zurück und hatte ein paar Freunde dabei. Am Merchandise-Stand gab es dann noch eine handfeste Kneipenschlägerei zwischen C-Rayz, Rugged Man und ein paar Karlsruhern, bei der so mancher Barhocker als Wurfgeschoss missbraucht wurde.

Andreas Margara (12. Mai 2006)

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