Splash! 2006 (in Chemnitz)

seeedAm 4. August startete mit dem Splash! in Chemnitz bereits zum neunten Mal das größte HipHop und Reggae Festival Europas. Location hierfür war wie immer das Festivalgelände am Stausee Rabenstein. Nachdem sich im Jahr zuvor vor allem Gummistiefel an Stelle von hellen Sneakern bewährt hatten, versprachen die Wettervorhersagen diesmal trotz bewölktem Himmel angenehmstes Festivalwetter für das Wochenende. Wer rechnet auch schon mit Sintflut-artigen Regenströmen Anfang August?

Zu schönstem Sonnenschein am Festivalvortag hieß es dann Zelt aufbauen, um bei ersten „Helga“-Rufen die gute Stimmung auf den Campingplätzen aufzunehmen und zu genießen. Getrübt wurde die Laune hier und da nur durch die Massenpräsenz der Securities, welche sich wie Ruff Ryders auf ihren Quads über das Gelände bewegten, um verbotene Promo-CD’s, Cans oder Flyer einzukassieren und Platzverweise anzudrohen und zu erteilen. Wohl kaum ein Grundgedanke der auf Kommunikation ausgerichteten HipHop Philosophie.

Freitags eröffneten dann Snaga & Pillath musikalisch das Splash!, wobei Olli Banjo gegen Nachmittag wohl das erste Highlight der bisherigen Festivitäten darstellte. Maeckes & Plan B durften dann zeitgleich mit Prinz Pi performen, ehe mit Keith Murray der erste große US-Act auf der Mainstage anstand. Unterstrichen von immer wieder aufkommenden Regenschauern standen dann die Detroiter Rapper von Slum Village auf der Bühne, natürlich um J Dilla zu widmen und eine bunte Mischung an Tracks von all ihren Alben zu spielen. Höhepunkt des nicht gerade ausgefeilten Auftritts markierten Things You Do und der Titel I Don’t Know, bei dem sonst der ebenfalls bei diesem Splash! beschäftigte Jazzy Jeff gefeaturet wird. Dann die Timetable Änderung auf der Mainstage, bei der die Youngbloodz D4L ersetzten. Auf der MZEE Stage startete unterdessen „His Madnezz“ Pal One aus Mannheim durch, während sich der Topf mit Liveband auf der Hauptbühne schon einreimte. Blumentopf, die zweifelsohne zu den besten Live-Crews in Deutschland gehören, lieferten eine gewohnt gute Performance mit Freestyleeinlagen ab. Neben den obligatorischen Partytracks, wie Party Safari, gab es auch Horst vom neuen Album zu hören. Getoppt wurde das Ganze allerdings problemlos von der darauffolgenden elfköpfigen Seeed Posse von der Spree. Bei den roten Outfits angefangen bis hin zum besonders pumpenden Basssound, der sich von allem bisher auf dem Splash! dargebotenem deutlich absetzte, stimmt bei der Show der Jungs alles. Ob Aufstehn!, Schwinger, Tight Pants, Ding oder die Zugabe Dickes B, die Dancehall-Caballeros ließen keinen ihrer Hits aus und gaben dazu gleich nochmal zahlreiche Rewinds und Remix Versionen zum Besten. Grund genug den Abend danach im trockenen Dancehall Tent bei Phlatline Sound aus Chemnitz, Soundbwoys Destiny und Soca Twins ausklingen zu lassen, da das Coke dj-culture Tent mit Jazzy Jeff und Mad Skillz komplett aus allen Nähten zu platzen drohte.

Bei einer frischen Brise Regen begann der Samstag für uns dann mit dem dänischen ONE-MC-ONE-DJ Power-Team Static & Nat Ill. Zuvor hatten dort schon die Asphaltliteraten komplett in schwarz gekleidet für satanischen Flair gesorgt. Um so himmlischer harmonierten dann Stat und Nat, die sich wie gewohnt in absoluter Topform präsentierten. Danach folgte das MZEE Freestyle Battle, moderiert vom cholerischen Royal Bunker Chef Staiger. Das Reimniveau pendelte allerdings zwischen schwach und mittelmäßig hin und her und plätscherte wie der endlose Regen vor sich hin. Scratch von der Roots Crew beatboxte sich währenddessen munter auf der Mainstage den Applaus des Publikums herbei. Nächster Höhepunkt an diesem Tag war die Saian Supa Crew, die nicht umsonst ein Dauerabo zur mitreißendsten Live-Crew in Europa hat.

splash2

Nicht untypisch für diesen extrem verregneten Tag erscheint dann, dass Curse Sinnflut nicht gegen den starken Regen ankommt und nur wenige Zuschauer vor die Bühne lockt. Als die in Splash!-Müllsäcke eingepackten Juelz Santana Fans dann noch die Nachricht ereilt, dass jener in diesem Jahr nicht performen wird, ist das Unglück perfekt. Das änderte jedoch nichts an Gentlemans guter Laune, der mit seiner Far East Band und seinem jamaikanischem Patois für positive Vibrations sorgte und einen sehr gelungenen Auftritt, unter anderem mit Dem Gone und Leave Us Alone, ablieferte. Am Ende tauchte noch D-Flame aus der Frankfurter Nordwest Stadt als Special Guest für zwei kleine Features auf, ehe das Feld für Fat Joe geräumt wurde. Überrascht davon, dass Fat Joe sogar Tracks von seinem ‘93er Album Represent (Flow Joe) abfeiert, ging der Abend dann für uns erneut im kuschlig-trockenen Ragga Tent bei Pow Pow Movement und Soundquake Soundsytem zu Ende.

Sonntag: Sieben Uhr früh, in unserem Zelt steht das Wasser Zehn cm hoch. Alle Klamotten, Schlafsäcke und Handtücher sind nass. Überall sind Matsch und eingesunkene Gummistiefel zu sehen. Die Meisten Festivalbesucher reisen in Katerstimmung und in immer weiter strömendem Regen ab. Ein Vergleich zu Woodstock behalte ich mir zwar vor, aber matschiger kann es wohl kaum gewesen sein. Wie die Kollabo bei splash! meets classic oder die Auftritte von Booba, Texta, Joy Denalane, Jan Delay, Fiva & Radrum an diesem Tag noch ausgesehen haben,  weiß ich deshalb leider nur vom Hörensagen.

Andreas Margara (21. August 2006)

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