Alibi: „Tonbandmusik“

tonbandmusik_coverDie drei Jungs von Alibi melden sich aus der Klingenstadt Solingen mit ihrer zweiten EP zum kostenlosen Download zurück! Der Nachfolger der im Underground reichlich gewürdigten „Wir reden Hip Hop“ EP heißt „Tonbandmusik“ und umfasst 15 Stücke. An den Mics wie gewohnt die beiden Emcees Wacuson und Scotha, für die musikalische Untermalung mit Beats & Scratches sorgt wie gehabt Deejay und Produzent Gawron.

Bereits bei der Introduktion (1.Ton An) wird klar, dass dieser sich einmal mehr munter durch seine feine Soulplattensammlung gesamplet hat und nicht mit Bässen geizt. Die Jedi Mind Tricks Cuts sorgen für den Rest. Mit dem Track Tonbandmusik erreicht die EP ihren ersten Höhepunkt. Hier werden verschiedene Beats durch Wechsel zu einer gelungenen Gesamtkonstruktion zusammengebaut, auf die sich Wacuson mit unterschiedlicher Reimgeschwindigkeit anpasst und inhaltlich an seine Einflüsse wie z.B. Tame One oder auch Donato Props verteilt. Mein Vokabular Part II. ist die Fortsetzung des ersten Teils, der schon auf der „Wir reden Hip Hop“ EP zu finden war. Nahtlose Übergänge zwischen schnell geflowten Raps auf deutsch und polnisch sind dabei natürlich auch wieder im Programm.

Pläduyer ist dann Scothas Solotrack, bei dem er sich sozialkritisch mit dem Thema Ständegesellschaft und den damit verbundenen Benachteiligungen auseinandersetzt. Leider sein einziger Part auf der EP, neben dem Outro. Auf Tonbandmusik bestechen besonders die von Gaw ausgereiften MPC Produktionen nach Oldschool Art, für die auch die Skits (7.Kälte, 9.Wärme) stehen. Ein wenig verbraucht wirkt dabei allerdings nur das erneute Aretha Franklin Sample aus One Step Ahead, welches auch schon Mos Def für Ms. Fat Booty und Alibi selbst schon verwendet haben. Der Track Inmitten Unbekannter Gesichter ist ein sehr persönliches Stück von Wacuson, auf dem er seine eigene Story schildert. Unterstrichen wird das Ganze von einem Violinen-Loop und Pal One Wordcuts. Vatos Locos zeigt die familiäre Verbundenheit der Alibi Crew, wie im dazugehörigen Film Blood in Blood out.

„Tonbandmusik“ zeigt mit den Beattransfers und den Sprachübergängen neue Ansätze und verdeutlicht auf ein Neues das große Potenzial von Alibi aus der Klingenstadt. Rap als Herzensangelegenheit ist spürbar und sorgt für den entsprechenden Vibe. Ein komplettes Album, bei dem auch Scotha wieder mehr Parts hat, ist dann das nächste wünschenswerte Ziel. Insgesamt ein hohes Level für Underground Rap mit niederem Budget!

Andreas Margara (26. April 2006)

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