Interview mit DJ Karotte

KarotteDer Ausnahme-DJ und Film-Freak Karotte über die anstehende TDK Time Warp, musikalische Intoleranz und seine Lieblings-Platten. Im Rahmen des Code Red stellt Karotte bald den neuen Film „DJ Tage“ vor und legt natürlich während der Time Warp 2006 auf.

Andreas Margara: Dein Tanzstil in den Achtzigern brachte dir zunächst den Spitznamen Hase ein, aus dem dann später Karotte wurde. Gibt es bestimmte Acts die du dir bei der Time Warp selbst aus der Crowd anschauen willst und dazu auch richtig abtanzt, oder ziehst du es vor hinter der Bühne im Backstage abzuhängen?

Karotte: Ich lauf und tanz ja eigentlich immer überall rum bei der Time Tarp, wenn ich nicht am auflegen bin. Aber ganz klar sieht man mich wie immer bei Richie Hawtin, wie jedes Jahr. Denn bei ihm gibt’s definitiv kein Halten mehr.

In Interviews hast du, als DJ der ersten Stunde, des Öfteren schon die heutige Szene als intolerant kritisiert, die nicht mehr offen genug für diverse Facetten der elektronischen Musik ist. Wie wichtig ist da ein Großevent wie die Time Warp, auf der besonders viele verschiedene Stilrichtungen vertreten sind?

Solche Veranstaltungen sind sehr wichtig, aber was ich jetzt schon wieder von einigen Leuten im Gästebuch der Time Warp gelesen habe, da könnt ich mich aufregen, es ist erstaunlich wie intolerant Viele sind. Klar, mir gefällt ja auch nicht alles, aber muß ich denn auch alles total runtermachen? Es ist doch das Gute daran, dass die elektronische Musik so facettenreich ist und für jeden was dabei ist. Nur weil der Eine z.b. harten Techno mag muß doch der Andere, der z.b. Discohouse mag, den  nicht total runtermachen oder umgekehrt. Hallo!!! Denn ich freu mich schon wieder mit dem Wittekind einen draufzumachen und der spielt auch total andere Musik als ich. Also Leute, zerreißt euch ned immer so das Maul über Leute, die andere Musik mögen, dadurch kommen wir alle nicht weiter!!!

Du bezeichnest deine Art von Musik als „tanzbar und elektronisch“. Wie wichtig ist dir, bei dieser breiten Definition, der weite künstlerische Spielraum um mit anderen Genres zu  experimentieren?

Ich mag wirklich viele elektronische Sachen, und die Sachen die zu mir passen bzw. die ich mag, spiel ich auch in meinen Sets. Aber natürlich gibt es auch genug Sachen, die ich klasse finde, aber die ich trotzdem nicht spiele, weil die einfach nicht zu mir passen. Und Platten jenseits der 132 bpm bekomm ich auch nicht in meinen Sets unter, was aber auch nicht heißt, dass ich es nicht mag. Für mich müssen die Tracks halt immer sexy sein.

Die Szene wurde von dir als DJ maßgeblich mitgeprägt. Dennoch bist Du dafür bekannt mehr die neuen Sachen zu spielen als die alten Klassiker auszupacken. Wird diesmal wieder auf alte Hits verzichtet oder ist gerade die Time Warp ein besonderer Anlass dafür?

Gerade die Time Warp ist für mich ein Anlass erst recht die neuesten Sachen zu spielen. Da bekommen wenigstens richtig viele Leute mit, was es wieder für geile neue tanzbare Musik gibt. Ich spiele eh nur mal ab und an ältere Sachen, wenn ich eine Settime von mindestens acht–zehn Stunden habe und bei ner Time Warp ist das nicht der Fall. Auch wenn ich mal was altes spiele, ist es nicht so ein typischer Megahit aus eiern gewissen Zeit, wie ihn irgendwie jeder mal auspackt. Die kann ich eh nimmer hören, also bring ich eher so kleine spezielle Hits aus ner bestimmten Zeit und vor allem, WENN ich mal einen spiele dann hab ich den aber auch frühstens erst wieder in zwei–drei Jahren nochmal dabei.

Wer ist dein Lieblings DJ und was begeistert dich an ihm?

Och, ich hab viele DJ’s die mich zum Tanzen bringen. Aber zwei Garanten, bei denen ich wirklich durchgehend tanze, sind Richie Hawtin und Luciano. Beide begeistern mich immer wegen ihrer klasse Musikauswahl. Natürlich mixen auch beide gigantisch gut, aber die Trackauswahl, bzw. wie der Set gestaltet ist, das ist eigentlich bei jedem DJ für mich immer das Wichtigste.

Welche Musik hörst du selbst gern in deiner Freizeit, auch viel Elektronisches?

Elektronische Musik hör ich privat eigentlich ganz, ganz selten. Ich komm ja aus der Indie-Gitarren-Ecke. Im Moment find ich die ganzen neuen Indie-Bands wieder sehr spannend. Arctic Monkeys, hard-fi, Mando Diao, um nur einige zu nennen.  Ich geh auch wahnsinnig gern auf Indie-Konzerte und da wundern sich dann immer einige Leute, mich dort anzutreffen. Sehr lustig ist das. Das erinnert mich alles so an die ganzen 80er Lieblingsbands von mir. Da waren die Pixies für mich ganz groß und natürlich der ganze Madchester-Kram wie Stone Roses, Happy Mondays und James. Ganz groß immer noch  Duran Duran. War ich letztes Jahr auf vier konzerten …. Aber ich hör auch so Sachen wie Robbie Williams, Mattafix, Fettes Brot. Also auch sehr breit gefächert.

Was ist dein persönlicher Filmtipp als bekennender Filmfan?

Oje. Da gibt’s mal wieder so Vieles. Aber am besten guckt ihr eh alles von Tim Burton, da kann nix schief gehen. Und ganz groß ist The Producers. Der demnächst läuft. Aber nur auf englisch. Sehr spassig, sehr frech und respektlos. Ein Mel-Brooks-Klassiker von 1968, der dann vor 5 Jahren zu einem Broadway-Musical wurde, welches jetzt verfilmt worden ist. Schaut euch das Original von 1968  an und danach dann die neue Musical Version. Auch wenn ihr nicht so auf Musicals steht, das hier ist der Hammer. Ich werde auch demnächst mal wieder nach London fliegen und mir dann endlich die Bühnenversion anschauen.

Dann mal viel Spaß und Danke!

Andreas Margara (3. März 2006)

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