GURU von Gang Starr (im Substage Karlsruhe)

Guru

Ende der 1980er schließen sich der Rapper Keith Elam alias GURU (Gifted Unlimited Rhymes Universal) und der Deejay und Produzent Chris Martin – heute als DJ Premier bekannt – zur bedeutendsten Rapcrew der 1990er Jahre zusammen. Als Gang Starr sorgen sie fortan für feinsten Conscious-Rap aus den Straßen von Brooklyn, New York und setzen mit ihrem innovativ-unverbrauchten und stark vom Jazz beeinflussten Sound neue Standards im HipHop. Allerbeste Kritiken erhalten auch die drei Jazzmatazz Soloprojekte von Guru, bei denen er seine Rhyme-Skills mit Virtuosen des Genres wie Roy Ayers, Jamiroquai, Herbie Hancock oder Isaac Hayes vereint. Nach der friedlichen Trennung des Gang Starr Dream-Teams befindet sich Guru nun mit DJ Doo Wop und Super Producer Solar auf Tour, um sein neues Album Version 7.0 The Street Scriptures zu promoten.

Gleich zu Beginn eine herbe Enttäuschung: In den Tiefen des Karlsruher Substages spricht sich durch, dass der mit Vorfreude erwartete C-Rayz Walz aus NYC nicht als Vorgruppe erscheinen wird. Als dann klar wird, dass auch der Zweite US-Act, Omni aus LA, nur auf dem Flyer präsent ist, steigert sich die Enttäuschung zu Frust. Da können auch die schwachen Karlsruher Guns Anders und der etwas blasse Bastian Fleig guns und gar nicht zur Erheiterung beitragen.

Als dann jedoch Guru passend zum Beat von Step In The Arena auf der Karlsruher Underground Stage erscheint, wendet sich das Blatt sofort. Das eingängige Mass Appeal von Gang Starr’s Hard To Earn LP, dicht gefolgt vom Moment Of Truth-Klassiker Royalty verlangen gleich vollste Power von der Crowd. Mit Yankees-Cap und Sonnenbrille auf, packt der etwas schmächtiger als erwartete Guru dann gleich tief in die Jazzkiste, um Keep Your Worries von seinem letzten Jazzmatazz Album zu performen. Der Chorus-Part von Angie Stone wird demnach auch gleich vom Publikum beigesteuert. Danach nimmt sich GURU etwas Zeit, um zu erklären dass der vierte Jazzmatazz Long Player bereits in Arbeit ist und dass er jetzt ein paar Stücke von seinem Solo-Album präsentieren wird. Mit gepitchter Guns’n’Roses Fassung von Live And Let Die als Hook kann er mich dann allerdings noch nicht zum spontanen Kauf der neuen Platte am Merchandise Stand überzeugen. Dann folgt ein Acapella, das sich dann auf den The Game Beat This Is How We Do (fresh ’83) einfädelt und von mir leider zu früh als satirische Einlage gedeutet wird. Solar, der Guru’s Lyrics backt, lässt es sich unterdessen nicht nehmen konsequent bei jeder Gelegenheit den erfolgreichen „Gold Digger“ Kanye West zu dissen.

Endlich gibt’s dann wieder pumpende Rap Classics auf die Ohren. Just To Get A Rep, begleitet von „Stick-Up-Kids Is Out To Tax“-Cuts und der Hit Take It Personal vom Daily Operation Album versetzen einen zurück in die glorreiche Gang Starr Vergangenheit. Danach wird das Licht gedimmt um den verstorbenen Respekt zu zollen. 2Pac, Biggy, J Dilla, ODB, Aaliyah… – und schon scheint klar welcher Smasher als nächstes folgen wird – Big L rest in peace“ Full Clip und alles beginnt zu springen. Doch noch nicht genug. Erst wird Code Of The Streets abgefeuert, dann der Überhit Skills von The Ownerz abgefeiert und schließlich sorgt der Hammertrack The Militia, der sonst noch Big Shug und Freddie Foxxx featuret für grobe Nackenstrapazen. Zum Abschluss zeigt uns die lebende Raplegende nochmal einen gekonnten Acapella Einsatz, ehe mit Above The Clouds der endgültig letzte Titel gespielt wird. Eine Zugabe bleibt aus, auch wenn sich You Know My Steez sicherlich noch aufgedrängt hätte. Ansonsten gab’s Gang Starr Klassiker satt für das Trommelfell.

Trotz dem unerfreulichen Nichterscheinen der beiden angekündigten US-Vorgruppen C-Rayz Walz und Omni, das beim Konzert unkommentiert blieb, heizte Rap-Gigant Guru mächtig ein und verstand es die Menge zu dominieren: „Underground we live forever Baby, never die!“

Andreas Margara (8. März 2006)

Link zum regioactive.de-Artikel

Gang Starr: Royalty

Ein Kommentar

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