Terence Chill: „Der Antiheld“

AntiheldHipHop’s Gutes Gewissen ist zurück! Mit dem Soloalbum Der Antiheld meldet sich die eine Hälfte von der Wittener Crew OnAnOn: Daniel Marre aka Terence Chill, zurück aus dem verrauchten Bunker. Schon früh durch Graffiti inspiriert, folgten erste gerappte Kollabos im Pott mit Dike („Bist du gut“ 1998), Creutzfeld & Jakob („Zugzwang“ 2000) und Too Strong („Keine faulen Tricks“ 2001). Ende Oktober 2005 ist es dann an der Zeit für Terence Chill selbst einen 21 Track starken Blunt auf Bunkerwelt Records einzurollen und anzufackeln.

Mit einem live-Mitschnitt im Intro und EPMD „you gots to chill„-Cuts wird von Anfang an richtweisend die Note des Albums instruiert. Deppressiv-intelligent verpackte Ganja-Rhymes treffen auf meist vitale Beats aus dem Synthesizer, die er überwiegend selbst zusammengebastelt hat. Leider nicht immer zur Freude des Hörers, da sie phasenweise unstimmig klingen. Terence Chill macht allerdings in erster Linie Musik für sich selbst und geht deshalb keine Kompromisse ein. Dies verleiht dem Album auch eine gewisse Underground Authentizität und reflektiert somit den Künstler unverzerrt.

Auf dem dritten Track Was? reminisziert er über ein eingängiges Piano-Sample, das im Chorus durch Cuts aus Fast Forward’s Verstanden komplettiert wird. Viele der Stücke wie Heiss diskutiert, Man sagt…, Was willst du von mir? und Möchtegern richten sich als Disses an aktuelle Deutschrap-Darbietungen ohne jegliche Kreativität. Sehr originell hingegen inszeniert Terence Chill seine Lyrics, die sein Werk auch noch nach mehrmaligem Anhören interessant erscheinen lassen. Sprachliche Doppeldeutigkeiten, die bis ins höchste ausgefeilt sind, zeugen von eindeutigen Wahrnehmungserweiterungen in Daniels Denkorgan. Neben den hörenswerten Features mit Dike (AKA) und Creutzfeld & Jakob’s Lak Spencer (Schnorrer) sticht vor allem der Titel Anti hervor – eine lyrische Variation des Deutschrap-Klassikers Fenster zum Hof der Stieber Twins. Auch hier glänzt Terence Chill wieder durch geistreiche Adaption der Stieber-Zeilen an seinen Spleen für den Konsum von Cannabis. Geht ab, hängt ab, mit einem Gastauftritt des pottansässigen Os ist eine Hommage an Bob Marleys Get up, stand up.

Trotz der unkonventionellen Beatz und des begrenzten Themenkreises, der sich überwiegend auf Grassrauchen und high-sein beschränkt, bietet uns Terence Chill mit Der Antiheld eine so noch nie dagewesene Rapscheibe, die es Wert ist, gehört zu werden. Man darf gespannt sein auf das geplante OnAnOn Album.

Andreas Margara (28. November 2005)

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