Tone: „Zukunftsmusik“

ToneDas Frankfurter Rapurgestein Tone meldet sich mit Zukunftsmusik zurück aus der Vergangenheit. Über zehn Jahre ist es nun schon her, dass Tone mit seinem Reimpartner Iz und DJ Feedback als Konkret Finn Rapgeschichte in Deutschland schrieben. Mit der Veröffentlichung von Ich diss dich legten sie 1992 die Initialzündung für deutschen Battle-Rap (noch bevor Advanced Chemistry ihre Feinde zerstörten!) und beeinflussten fortan eine ganze Generation von Emcees. Tone wird seither von Rappern wie Kool Savas und anderen Rapgrößen aus Berlin als wichtiger Einfluss genannt.Nach einigen eindrucksvollen Gastauftritten, unter anderem bei Curse, Roey Marquis II. und D-Flame und einer gemeinsamen Tour mit Xavier Naidoo, Bintia und Billy Davis unter dem Gruppennamen Fourtress, stellt Tone nun mit seinem lang ersehnten Soloalbum Zukunftsmusik klar, dass er sich deutlich vom aktuellen Chart-Battle-Rap abhebt. Die neuen Stücke des Battle-Pioniers wirken nachdenklicher und weiterentwickelt. So zeigt sich neben den obligatorischen Battle-Lines – die er immer noch in unnachahmlichem Reimfluss vorträgt – eine größere Themenvielfalt und Reife. Die von Freundschaft, Liebe und Abhängigkeit handelnden Tracks Versteckter Feind und Du brauchst mich sind beispielhaft für Tones gewonnener Lebenserfahrung, die in all seinen Texten reflektiert wird. Selbst mit seinen kämpferischeren Zeilen und Ansagen hält er stets einen Anspruch und driftet dabei nie in das Primitive ab.

Große Veränderungen zeigen sich auch bei der Beatauswahl. Hier haben die Asiatic Warriors A-Bomb und Combad, sowie Ex-Konkret Finn Mietglied Feedback Hand angelegt und meist durch den Einsatz von Synthesizern modern klingende Soundgebilde arrangiert. Leider werden auch bereits bekannte Samples benutzt, die ein kleines Minus der Platte ausmachen. Doch Reimakrobat Tone scheint mit seinem schnellen und innovativen Rhymestyle im leicht genuschelten Hessendialekt wohl jeden Beat problemlos zu treffen. Mit kreativen Wortspielen und ungemeinem Sprachwitz in Hand mit kompakten Doppelreimen, weiß der Reimroboter nach wie vor die Gehörgänge der Tschabos und Tscheien ultimativ zu „dogen“.

Erschienen ist das Album auf dem Mannheimer Label Beats Around The Bush und schlägt mit den Features J-Luv (Versteckter Feind), Pari Samar (Süsses Gift), Xavier Naidoo (Schick Mir’Nen Engel), Sophia (Hände Hoch), und Bintia (Griff Nach Den Sternen) überwiegend sanfte Soultöne an. Einzig rappende Features bilden der technisch etwas schwächelnde Yassir sowie Azad, der mit seiner erfrischend aggressiven Intonation einzelner Satzpartikel eine originäre Sprachmelodie entwickelt und sich damit endlich von Tones ureigener Rapfasson absetzt (Würd’ Ich Nicht Rappen).

Andreas Margara (17. Oktober 2005)

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