Looptroop (Karlstorbahnhof Heidelberg)

LooptroopRap aus Schweden? Klar, Looptroop haben sich längst in ganz HipHop-Europa und auch im Norden von Amerika mit ihrem englischen Sprechgesang bewährt. Dieser zeichnet sich inhaltlich durch die Kritik struktureller Missstände in der Gesellschaft aus, ohne dabei militant zu sein. Zurzeit sind sie mit ihrem neuen Album Fort Europa auf Carneval Tour und machten auch in Heidelberg halt. Support kam von Freestyle, DJ Large und Chords & Timbuktu.

Mit Freestyle, dem ehemaligen Arsonist aus Bushwick/Brooklyn, ging’s an diesem Abend im Karlstorbahnhof zeitig zur Sache. Seinem Namen machte er alle Ehre, da seine Auftritte von spontanen Improvisationen im flowigen Rhymestyle lebten. An den Plattentellern, unterstützt von CD-Mixern, stand DJ Large aus Schweden. Mit Chords & Timbuktu bekam dieser auch gleich schwedische Unterstützung auf der Bühne. Timbuktu ist in Skandinavien zurzeit der erfolgreichste Emcee und auch durch einige Looptroop-Releases in Deutschland und dem Rest vom Fort Europa unlängst bekannt. Trotz seines kleinen Erscheinungsbildes verbrachte er an diesem Abend Großes in Sachen Wortgewandtheit und „Move the Crowd“.
Nach diesem hochkarätigen „Vorprogramm“ war es an der Zeit für die Headliner: Looptroop. Drei Mics für Supreme, Cosmic & Promoe. DJ Embee an den Wheelz plus Schlagzeug, an dem er immer wieder mal im abendlichen Verlauf ein paar Einlagen brachte. Dass die Looptroop-Crew einer der besten Live-Acts in Europa sind, stellten sie auch diesmal wieder eindrucksvoll unter Beweis. Auf eine kleine Choreografie im abgestimmten blauen Looptroop-Jersey folgte sofort der Smasher Looking For Love vom Voralbum The Struggle Continues, der das Publikum ordentlich zum bouncen bewegte. Als Embee dann noch den Beat zu Promoes Solostück Off The Record einspielte, war die Menge nur noch ein einziger springender Haufen. Die Looptroop Rockers um Promoe, der sich mit seinem meterlangen Bart wieder einmal dekorativer als die Accessoires Abteilung von IKEA gab und eher an einen gallischen Druiden erinnerte, als an einen schwedischen Hünen, brachte heute neben meist sehr politischen Texten auch jamaikanischen Reggae-Flair nach Heidelberg.

Ein pumpender Beat jagte den Nächsten. Auf die Liebeserklärung an die Bandit Queen folgte die 12″ Auskopplung Don’t hate the Player und die Single zum gleichnamigen neuen Album Fort Europa. Auf die vielen Zugabeforderungen performten die vier Schweden erst The Struggle Continues, um dann zusammen mit Chords & Timbuktu den Bush-kritischen Track Hurricane George abzufeuern. Auch Freestyle beteiligte sich hier nochmals am Bühnengeschehen. Alles in allem blieb nach diesem faszinierenden Auftritt festzuhalten, das Schweden einiges mehr zu bieten hat als Elche, ABBA und Mittsommernacht: Looptroop Rockz!

Andreas Margara (12. Oktober 2005)

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Looptroop: Fort Europa

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