Styleabteil Rap-Attacke mit DJ Blastar

20. November 2009 von Reimreporter

Am 27. November 2009 gibt es die Rap-Attacke im Soho-Club Mannheim, denn  DJ Blastar feilt diesmal im Abteil am Style! Nach seinem exorbitant frequentierten Deutschrap Mixtape No.1, das längst die Marke von 10.000 Downloads überschritten hat und nur allerbeste Kritiken geerntet hat, wird Blastar auch live an den Decks ein exquisites Trueschool-Rap-Set zum besten geben.

Für weitere Unterhaltung sorgen außerdem Käytsch und Nyce mit einer Melange aus Elektrofunk-Entertainment… 5 € macht der Eintritt!

Andreas Margara

Souls of Mischief (Karlstorbahnhof Heidelberg)

18. November 2009 von Reimreporter

l_d2775a3bea38435689cc97511a954c60[1]Was vom Namen her so klingt, wie eine esoterisch angehauchte Metalband, zählt unter Rap-Connaisseuren seit 1993 zum absoluten Pflichtprogramm in der Plattensammlung: Souls of Mischief. 93 Til Infinity heißt die bekannteste Single und zugleich das Debütalbum der kalifornischen Rapper, mit dem sie den von Gangsterposses dominierten Westcoast-Rap chillige Rhythmen und inhaltlich neue Impulse verliehen. Alles andere als unheilvoll war der Live-Auftritt der Souls of Mischief in Heidelberg, zu dem sich jede Menge treue Seelen begaben.

Nachdem Produzentenlegende Prince Paul als Toursupport der Souls of Mischief aufgrund von familiärer Schwierigkeiten kurzfristig ausfiel und vor Ort im Karlstorbahnhof sogar noch das Gerücht die Runde machte, dass die Souls nur zu dritt – ohne Tajai – angereist waren, begann die Vorfreude auf die Show schlagartig zu sinken. Mit Mr.Brady von Deep Rooted hatten die Rapper aus dem Sonnenstaat allerdings noch ein Ass im Ärmel, das sie als Vorgruppe geschickt ausspielten. Fast eine halbe Stunde lang sorgte der Rapper und Beatproduzent aus San Diego zusammen mit DJ Lex für einen sensationellen Auftakt. Überraschenderweise gelang ihm das wie im Schlaf, denn Brady öffnete bei seinem Auftritt nicht ein einziges Mal seine Augen! High wie Cheech & Chong präsentierte der reimende Rastamann seine äußerst ausgefeilten Beats und ließ auch raptechnisch keine Wünsche offen. Höhepunkte setzte er zum Schluss mit dem Deep Rooted-Track Crazy, dessen Drums dermaßen knarzten, dass selbst die Barfrau im Vorraum die Füße von dem gewaltigen Basslauf massiert bekam. Die HipHop-Hymne Let My Record Rotate, die Rob The Viking meisterhaft arrangiert hat, hätte DJ Lex noch den ganzen Rest des Abends in Endlosschleife laufen lassen können, ohne dass er sich damit Feinde im Karlstorbahnhof gemacht hätte.

soulscartoon1Gegen die anschließende Performance der Souls of Mischief hatte hingegen natürlich auch niemand etwas einzuwenden. Tajai stand dann wider erwarten doch mit auf der Bühne und machte auch gleich auf sich aufmerksam, indem er dem Soundmann rüpelhaft aber nicht ganz zu Unrecht wegen derzu leisen Mikrofone anpöbelte. Ohne Rapper A-Plus war das reimende Quartett aus Oakland dennoch unvollständig erschienen, der große Einsatz der MC’s Opio, Tajai und Phesto machte den Ausfall im Verlauf des Abends aber wett. Die Souls of Mischief sind allesamt auch Mitglieder des achtköpfigen Kollektivs Hieroglyphics und deshalb gab es heute auch einige Hiero-Hits wie Powers That Be oder den Rap-Klassiker You Never Knew auf die Ohren.

Das beständige Duell zwischen den drei Rappern und dem Soundmann, durch das so mancher Rappart zu einem Acappella improvisiert wurde, zog sich quer durch die gesamte Souls-Show. Passenderweise spielte das Trio Chaos And Turmoil deshalb etwas chaotisch mit übersteuerten Mikros. Den glanzvollen Schlusspunkt der sehenswerten und engagierten Performance setzten Opio, Phesto, Tajai und der technisch versierte DJ Lex erwartungsgemäß mit 93 Til Infinity. Auch 2009 ist der Alltime-Classic immer noch richtungweisend in Sachen entspannter Flows und lässig inszeniertem Sampling (Billy Cobham: Heather). Obwohl mit Prince Paul der Produzent des bald erscheinenden Souls of Mischief Albums Montezuma’s Revenge leider abwesend war, endete der Abend für die Fans erfreulich. Selbst der Sound klang am Ende versöhnlich.

Andreas Margara (16. November 2009)

Mr. Brady – Let my record rotate

Too Strong (Halle02 Heidelberg)

11. November 2009 von Reimreporter

toostrongToo Strong ist weitaus mehr als HipHop. Es ist eine Art Religion, die Pure Doze und Der Lange vor einer gefühlten Ewigkeit in Dortmund begründet haben. Noch immer ist die Anhängerschaft der Ruhrpott-Rapper in der Kulturbewegung „Silo-Nation“ organisiert. Beim Tourstopp in Heidelberg haben wir uns unter die Too-Strong-Jünger gemischt…

Für den Auftakt in der Halle-02 sorgte das Reimtrio Armada aus dem Rhein-Neckar-Delta. Akzente setzte besonders DJ Ill-1, der mit technischer Raffinesse an seinen rotierenden Arbeitsgeräten überzeugte. Das Gespann an den Mikros konnte das Publikum hingegen mit ihren Texten auf Instrumentals von Ol’ Dirty Bastard oder den Beatnuts erwärmen. Auch gute Eigenproduktionen, wie Der Lauf der Dinge, stellte die Armada vor – ohne dabei unterzugehen. Kein Wunder, hatte der rappende Flottenverband doch Rückenwind aus dem Publikum.

Im zwanzigsten Jahr, sechs LP’s – so lautet die beeindruckende Bilanz der einmaligen Underground-Rap Karriere von Too Strong, die lustigerweise mit einem als Greatest Hits betiteltem Erstlingswerk begann. Auch wenn sie mit zu den ersten deutschen Rap-Formationen überhaupt zählen – Anzeichen von Altersschwäche lassen die Dortmunder jedoch noch lange nicht erkennen. Pure Doze und Atom One (formerly known als Der Lange)  wirkten frisch und präsent wie eh und je. Musikalisch unterstützt wurden die Veteranen heute von DJ Toni Rocksta an den Drehscheiben, Clitko an der Gitarre und dem extrovertierten Muskelpaket Brenna an den Drums.

tnDetail_DerLange1Eröffnet wurde das Too-Strong-Set mit der Single Rap Music is Life Music vom gleichnamigen neuen Album, ehe es mit den Tracks 2 von 7 aus 98 und Nummer Eins Team erstklassiges Material von Die Drei vonne Funkstelle zu hören gab. Genau wie Atom ankündigte, war der Kindergeburtstag jetzt vorbei, der Pott holte zum wuchtigen Punch mit dem Vorschlaghammer aus. Statt des eigentlichen InterCityFunks mit Der Kurs ist vorherbestimmt, sorgte der wüst tobende Pulk in den ersten fünf Reihen mit Pogo für InterCityPunk, der die Halle-02 zu einem Schlachtfeld transformierte.

Auch bei der Sprayer-Hymne The Real Deal von Atom One bewiesen die erfahrenen Oldschool-MC’s, dass sie echte Crowd-Pleaser sind. Für den kompletten Abriss sorgten die überdrehten Einlagen des agilen Live-Drummers Brenna und die metalesken Riffs von Clitko. Oberkörperfrei dominierte Brenna das Szenarium an seiner Schießbude und ließ sich dazu in Rockstar-Manier feiern wie ein zweiter Keith Moon. Sozialkritisch wurde es anschließend mit der neuen Single Polizisten. Ähnlich kontrovers wie der Auftritt wirkte das Bühnenbild mit Pure Doze, der in etwa so groß ist wie Napoleon und seinem ungleichgroßen Mitstreiter, der nicht umsonst „Der Lange“ genannt wird.

Dass eine Too-Strong-Show zu Ende geht, erkennt man entweder daran, dass die Silos im Publikum vor Anstrengung bewusstlos werden oder wenn die Sirenen aus der Star-Wars-Titelmusik ertönen. Dann nämlich ist es Zeit für den berüchtigten Empire Remix von Rabenschwarze Nacht. Hier müssen alle noch ein letztes Mal alles geben, ansonsten verteilen die Dortmunder zum Antrieb auch gerne persönlich Arschtritte. Überraschend gab es diesmal sogar noch einen obendrauf: Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist. Diese Trinkhallen-Hymne entstand 2006 in gemeinsamer Arbeit mit der legendären Punkband Die Kassierer aus dem benachbarten Bochum-Wattenscheid. Damit verabschiedete sich Too Strong aus Heidelberg, wo sie eine kurze aber intensive Performance abgeliefert hatten.

Andreas Margara (9. November 2009)

Rarer Track vom Blumentopf!

9. November 2009 von Reimreporter

Der Topf bringt den Funk aus München Nord! Hier ein rares Stück Musik von der legendären Abhängen EP von 1996. München Nord ist die B-Seite – verkürzt u.a. auch auf dem ersten Bluemntopf Album Kein Zufall als Interlude zu hören…

Blumentopf – München Nord

KRS-One & Buckshot: „Survival Skills“

2. November 2009 von Reimreporter

Survival_skillsAch, was hat die moderne Technik nicht schon für grausige Spielarten von Rapmusik hervorgebracht? Jüngstes Beispiel dafür ist der Verzerr-Effekt Auto-Tune, mit dem einst Naturschönheit Cher ihr Chart-Comeback feierte. Die Pop-Rap-Fraktion um Kanye West, T-Pain und Black Eyed Peas lässt sich dank dem inflationären Gebrauch dieser Tonhöhenkorrektur klanglich kaum noch auseinander halten. Wie man sich hingegen über Jahrzehnte hinaus im Business behauptet, ohne fernab der traditionellen HipHop-Produktion zu experimentieren, davon können KRS-One und Buckshot ein Liedchen singen. Auf ihrem Kollabo-Album Survival Skills singen sie gleich 14 davon. Vorab sorgte das Duo mit der Single-Auskopplung Robot schon für Wirbel, da sie damit die mangelnde Originalität vieler Künstler anprangerten und besonders den übersteigerten Einsatz nervtötender Gimmicks kritisierten. HipHop-Puristen und Verfechter klassischen Boom Bap Sounds müsste das Jointventure aus Teacher KRS-One und Buckshot, dem Kopf der Boot Camp Clik, also restlos überzeugen. Eröffnet wird Survival Skills direkt mit dem gleichnamigen Titelthema. Routiniert ergänzen sich hier die beiden Rapper im Wechselspiel auf den eingängigen Beat von Ill Mind, den DJ Revolution mit jeder Menge Cuts verziert. Weitaus melodischer wird es mit The Way I Live, wobei Buckshot behutsam seine Reime aneinandersetzt und Mary J. Blige gesangliche Unterstützung leistet. KRS-One hingegen nimmt die von Black Milk zwischen smooth und peitschend arrangierte Soundkulisse aus vollem Lauf und entlädt dabei so einiges an Energie. Neben den obligatorischen Hardcore-Vertretern der Boot Camp Clik, kommen mit Talib Kweli, Pharoahe Monch, Immortal Technique und Slug gleich vier begnadete Lyricists als Feature auf jeweils einem eigenen Track unter. Für Think of All the Things haben die New Yorker ein weiteres interessantes Feature eingespannt: den aus Mogadischu stammenden K’Naan, der für seine politischen Texte bekannt ist. Überraschungen gibt es noch gegen Ende. Zum einen trifft KRS-One bei Murder 1 auf die Dancehall Legende Bounty Killer, zum anderen hat 9th Wonder zum krönenden Abschluss mit Past*Present*Future doch tatsächlich das gleiche Sample ausgegraben, das deutschen Rapfans sicherlich noch vom mittlerweile zehn Jahre alten Eins Zwo Album Gefährliches Halbwissen bekannt sein müsste. Achtung, Achtung: ein gutes Album!

Andreas Margara (19. September 2009)

The Royal Jesters vs. Madlib

1. November 2009 von Reimreporter

The Royal Jesters – I Won’t love you again

vs.

Madlib – So Much

Frogg: „Blink Blink“

31. Oktober 2009 von Reimreporter

frogg_bink_blink„Wir sind Seeed und das ist unser Gebiet“, proklamierte 2001 die allerorts beliebte Dancehall-Kombo aus Berlin. Dass die singenden Caballeros auch Solo für bombige Beats sorgen, haben die drei Seeed-Frontmänner Demba Nabé (Boundzound), Peter Fox und Dellé schon eindrucksvoll vorgemacht. Mit Blink Blink ist nun auch das Werk des Seeed-Saxophonisten Mo Delgado erschienen. Frogg nennt sich das Projekt, bei dem außerdem die aus London stammende Sängerin Mills und Luke 4000 involviert sind. Vorschusslorbeeren erntete das Trio bereits vorab für den Club-Banger Bitch, der einerseits von der Wuchtigkeit her an die Beats eines gewissen Timbaland erinnert, sich gesanglich aber nicht stark genug von einer gewissen Nelly Furtado abhebt, um als Unikat durchzugehen. Als Gesamtprodukt weiß die zwölf Track umfassende Scheibe aber zu überzeugen. Der Musikmix lässt sich am ehesten zwischen Electro und R’n'B ansiedeln, wobei die Bässe durchgängig druckvoll gehalten sind. Sauna, So’s ya Mama und eigentlich der Großteil der Stücke sind gut produziert, eignen sich aufgrund des streckenweise einfach zu monoton intonierten Gesangs von Mills aber weniger zum ausgedehnten Durchhören als vielmehr für das Auto und den Club. Highlight von Blink Blink ist der Song Shut Tha Fuck Down!, der nicht nur inhaltlich offensiv ausgerichtet ist. Hier rumpelt und scheppert es gewaltig. Besonders belebt werden die schweren Drums und die kraftvollen Basslinien durch organische Versatzstücke, die in Form von Instrumenten eingespielt werden. Nur selten findet man in Europa derart postmoderne Rhythmen, die gleichzeitig tanzbar sind.

Frogg – Bitch

Andreas Margara (27. Oktober 2009)

DJ Premier im Cypher mit Mos Def, Black Thought & Eminem

30. Oktober 2009 von Reimreporter

BET HipHop Awards 2009 mit interessanter Konstellation an MC’s im Cypher: Mos Def, Black Thought und Eminem

Mr.Bayse, Amenta & Brittany Bosco (Halle01 Heidelberg)

30. Oktober 2009 von Reimreporter
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Amenta

Wer Kunst nicht nur aus zweiter Reihe betrachten, sondern selbst miterleben möchte, der ist bei den Veranstaltungen von TRU! genau richtig aufgehoben. Während junge Künstler bei der Reihe die Chance bekommen ihre Werke auszustellen, sorgen Musiker und DJs aus urbanem Umfeld für das passende Klangerlebnis. Diesmal waren der Rapper Mr.Bayse und die Chanteusen Amenta und Brittany Bosco bei der Heidelberg-Session zu Gast.

Für die Ausstellung in der Halle01 waren die beiden Mannheimer Visualisten Alexander Münch und Pablo Fontagnier zuständig. Neben Kunstfotografie zeigte Münch ein Potpourri aus den von ihm abgelichteten Rappern aus Deutschland. Wie seine Fotos von Tua oder Sprachtot veranschaulichen, gelingt es ihm auf besondere Weise die Persönlichkeit seines Gegenübers einzufangen und ausdrucksstark zu inszenieren. Von Fontagnier, der vielen besser unter dem Pseudonym Hombre Uno bekannt ist, gab es seine charakteristischen Graffitifiguren zu sehen. So richtig ins Rollen brachte die Vernissage dann DJ Tommy D, der die Drehscheiben mit einer feinen Auslese an Rapplatten bestückte.

Zur festen Institution der TRU-Sessions gehört die hauseigene Band, die sich aus Konrad Henkelüdeke (Drums), Markus Ganter (Bass) und Georg Wende (Keys) aus dem Kreis der Popakademie Baden-Württemberg zusammensetzt. Besonders gespannt war das für Rappartys ungewöhnlich reife Publikum auf die Performance von Mr.Bayse. Obwohl er schon seit mehr als zwölf Jahren im Umgang mit Mics geübt ist und Bühnenerfahrung en masse sammeln konnte, war es in den letzten Jahren eher ruhig um ihn. Um das zu ändern, erscheint nun fast jede Woche ein „Thought of the Day“ von Bayse, bei denen er seinen Gedanken freien Lauf lässt und über aktuelles Tagesgeschehen sinniert.

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Mr.Bayse

Die Bühnenluft wandelte das anfängliche Lampenfieber bald zu neuem Selbstvertrauen um und so konnte Mr.Bayse mit Meine Welt zügig an Flow und seine alte Wortwendigkeit anknüpfen. Verändert hat sich hingegen die inhaltliche Raffinesse seiner Texte: anspruchsvoll und clever bringt Bayse komplexe Themen auf den Punkt. Das Stück Prokrastination ist eine Ode an das aufschieben von Terminen und gleichzeitig ein authentisches Statement von Bayse, da es womöglich die ausgedehnte Ruhephase der letzten Jahre erklärt. Stilecht mit weißem Handschuh zollte er danach dem verstorbenen „King of Pop“ Tribut. Moonwalk im Himmel heißt der Song, der auf das Smooth Criminal Instrumental von Michael Jackson entstanden ist. Damit schaltete die Band einen Gang höher und Bayse stellte außerdem seine Sangeskunst unter Beweis . Mit den Tracks Zooom und Wissen Wie endete der sehenswerte Auftritt von Mr.Bayse.

Die TRU-Band durfte gleich weitermachen, denn mit der Sängerin Amenta stand bereits der nächste Act bereit. Einzig aggressives Element der relaxten Performance der Kanadierin blieb ihr knallig rotes Kleid. Mit experimentellem Souljazz sorgte Amanta für zurückgelehnte Lounge-Atmosphäre, bei dem die Seele mehr als nur zum baumeln angeregt wurde. Wie ihr Stück Purple verdeutlichte, versteht sie es durchaus auch Versatzstücke von HipHop in ihren genreübergreifenden Stilmix einzubauen.

www.myspace.combrittanybosco

Brittany Bosco

Last but not least, betrat Brittany Bosco aus dem amerikanischen Georgia die Künstlerbühne. Herzstück ihrer an Einflüssen reichen Musik ist ihre bezaubernde Soulstimme. Betont stimmungsvoll gelang es Bosco ihre Zuhörerschaft mit den Stücken Blues for Blue und Black & White in ihren Bann zu ziehen und stückweit das Flair einer rauchigen Bluesbar zu versprühen. Zurückzuführen ist das auf ihre einmalige Stimme, die viel Soul und auch eine verruchte Portion sleazyness in sich birgt. Das macht neben ihrem Charisma und ihrer großen Präsenz den besonderen Reiz ihres sonst eher unspektakulär und mellow arrangierten Sounds aus.

Andreas Margara (23. Oktober 2009)

 

Hier gibt es einen Live-Mitschnitt der Performance von Mr.Bayse:

Interview mit Face Error

28. Oktober 2009 von Reimreporter

l_7acbfb225b7743f1878cb7a2cb5c9092Face Error ist Rapper und Beatbastler aus Berlin. Unter anderem hat er Kool Savas‘ letztes Album Tot oder Lebendig mitproduziert. In seiner Heidelberger Zeit war er unter dem Namen Beatbone als Live-Drummer – ein Novum zu dieser Zeit – bei den HipHop-Pionieren Advanced Chemistry beschäftigt, die für ihre energetischen Shows berüchtigt waren. Andreas Margara unterhielt sich mit Face über damals und heute…

Andreas Margara: Stell dich doch bitte zunächst Mal unseren Lesern kurz vor…
Face Error: Mein Name ist Face Error oder auch FacelaFace, früher war mein Name Beatbone, als Drummer von Advanced Chemistry.

Du bist schon sehr lange am Musik machen. Kannst du dich noch erinnern, wie das damals bei dir angefangen hat?
Ich habe mit dem Schlagzeugspielen angefangen. Meine erste richtige Band hieß Throb Throb. Im Rhein-Neckar-Kreis waren wir berüchtigt für energiegeladene Shows, der Sänger war ein Tier auf der Bühne. Es war eine Mischung aller Musik, die wir damals so hörten: Punk, Indie, Funk und Rock. Wir veröffentlichten ein Tape und dann einen Track auf der ersten „Heidelberg Compilation“ überhaupt. Der Gitarrist Jochen Seiterle stieg übrigens, als ich gerade bei AC anfing, bei der Ska Band The Busters ein, ebenfalls aus dem Heidelberger Raum.

Wie kam es dann dazu, dass du von Rock und Punk zum HipHop gekommen bist und schließlich bei Torch und AC an der Schießbude gelandet bist?

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Advanced Chemistry mit Beatbone an den Drums

Ich kannte Torch über meinen damaligen Kumpel Monti. Als ich mit Monti abhing, habe ich natürlich auch ihn kennen gelernt. Wir verstanden uns auf Anhieb. Eines Tages rief er mich an und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, für die Live-Auftritte der geplanten Tour von AC Schlagzeug zu spielen, denn er wusste, dass ich Schlagzeug spiele und schon viel Live-Erfahrung gesammelt hatte. Ich sagte „warum nicht“ und schon standen wir das erste Mal zusammen auf der Bühne. Es funktionierte gleich sehr gut und man kann wohl mit Recht sagen, dass wir live ziemlich rockten. Das coole war, das die Leute richtig Pogo tanzten, ich kannte das bis dahin nur von Punk- und Hardcore-Konzerten. Unser erster Gig war glaube ich in Stuttgart. Danach spielten wir praktisch jedes Wochenende in den nächsten zwei Jahren plus zwei komplette Deutschland-Touren.

Wie stehst du heute in Kontakt mit den Oldschool-Veteranen, nach deinem Umzug von Heidelberg nach Berlin?

Die Kontakte zu alten Kollegen aus der Szene bestehen aus einer Hand von Leuten, wie z.B. den Stieber Twins, Melbeatz und Kool Savas, wobei Savas und Mel ja erst später dazukamen. Man sieht die alten Gesichter manchmal auf größeren HipHop-Jams, das ist dann so wie ein Klassentreffen. „Ach damals, weisst du noch?“ ist dann ein Satz, der oft zu hören ist.

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Face Error
© www.myspace.com/faceerror

Damals war die deutsche Szene noch klar zu überschauen. Welche Aktivisten hast du während den Touren persönlich treffen können?

Wir haben sehr oft mit den Beginnern gespielt, die waren damals ja auch schon sehr umtriebig. Eigentlich kannte man jeden, der irgendwas in der Szene zu sagen hatte. Wir waren sehr vernetzt mit der Kölner Szene. Linguist wohnte ja auch in Köln. Aber das Netzwerk erstreckte sich über ganz Deutschland, von Norden nach Süden.

Heutzutage sind Live-Musiker bei Auftritten der erfolgreichen Rap-Gruppen kaum noch wegzudenken. In den 1990er Jahren hingegen waren Instrumente auf den Bühnen weitaus rarer. Wie waren die Reaktionen des Publikums?

Wir waren tatsächlich die erste deutsche HipHop-Band, die Live-Drums am Start hatten. Ich kannte das von Bands wie den Disposable Heroes of Hipocracy aus USA oder Urban Dance Squad aus Holland. Die Leute waren geflasht, denn die Live-Drums waren natürlich viel energetischer als Beats aus der Dose. Auch Lautstärke-technisch waren wir einfach wuchtiger, als alle anderen HipHop Live-Acts von damals. Die Beginner verstanden das sofort und hatten bald auch einen Live-Drummer. Ich spielte einfach auf die vorproduzierten Beats drüber, die Beats liefen ultralaut auf den Monitorboxen. Das Timing musste stimmen, das ist klar.

Warum hast du dich schließlich entschieden selbst Beats zu produzieren und mit welchem Equipment?

Ich wollte schon immer meine ganzen Ideen verwirklichen, die Samples, die ich für cool hielt, in Beats packen – und das so unkompliziert wie möglich. Ein Freund zeigte mir damals das Programm Fruity Loops und ich war sofort begeistert. Ich besorgte mir die Vollversion und fing an Samples zu schneiden und Beats zu produzieren, mit der Zeit wurde der Sound auch immer besser. Das Programm wurde auch immer professioneller und umfangreicher. Also man kann sagen ich habe den größten Teil meiner Beats mit Fruity Loops produziert. Auf einem Pentium 2 PC! Mit Mel haben wir dann natürlich auch auf der MPC und Cubase gearbeitet, bis heute…

Den wenigsten Savas-Fans dürfte bekannt sein, dass du unter anderem auch sein neues Album Tot oder Lebendig mitproduziert hast. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Mel und Savas?

Mel und ich kennen uns über einen gemeinsamen Freund aus Berlin, den ich wiederum über Arnd aka Ed Winter kennenlernte. Aus Spaß fingen wir an gemeinsam Beats zu basteln. Savas, mit dem Melanie damals zusammen wohnte – sie waren ja ein Paar –, hörte die Ergebnisse und war begeistert. Er fragte uns, ob er einen Beat, den wir zusammen produziert hatten, für seine Produktion benutzen könnte. Mit den Jahren kamen dann ein paar Titel zusammen, der letzte war der Titeltrack seines letzten Soloalbums Tot oder Lebendig, den Mel und ich Co-produziert hatten. Ansonsten arbeiten wir auch an ganz anderen Sounds, was aber noch geheim bleiben muss (grinst).

Was ist als nächstes von dir zu erwarten?

Als Drummer habe ich eine neue Band in Berlin namens Knete. Wir sind gerade dabei ein Live-Programm auf die Beine zu stellen und gehen bestimmt auch ins Studio. Live kann man Face Error aber jederzeit buchen, der letzte Gig war in Stuttgart mit den „Wordsound“-Jungs aus New York. Es bleibt also spannend…

Andreas Margara (24. Oktober 2009)